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Schmiertiger

Essay, Prosa, Kritik

  • Kritik,  Allgemein,  Literatur

    Ein Nihilist entdeckt die Angst vorm Tod: Leben zu verkaufen von Yukio Mishima

    16. Oktober 2020

    Leben zu verkaufen Yukio Mishima“Nach seinem misslungenen Selbstmord eröffnete sich Hanio eine leere und zugleich großartige, freie Welt” (10): Anstelle es nochmals einfach herzugeben, bietet Hanio sein Leben zum Verkauf an. Der 27-jährige Werbetexter schaltet eine Annonce, auf die sich alsbald seltsame Abnehmer finden – eine Odyssee durch Tokyo beginnt. Leben zu verkaufen von Yukio Mishima, ursprünglich 1968 in Japan erschienen, erscheint erstmals in deutscher Übersetzung und sollte diesem bedeutenden Schriftsteller neue Fans einbringen.

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    Dominic Schmiedl
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    Ein rückwärts fließender Fluss: Die Gespenster von Demmin von Verena Kessler

    3. Oktober 2020

    Die Gespenster von Demmin Verena Kessler RezensionDie Vergangenheit wird uns immer heimsuchen, ganz gleich, ob wir anwesend waren. In Verena Kesslers Romandebüt Die Gespenster von Demmin begegnen wir dem kecken Teenager Larissa, die Gegenwart und die Vergangenheit ihrer Heimatstadt Demmin sowie ihrer Familie navigieren muss, um erwachsen zu werden. Es ist ein wunderbar erzählter Coming-of-Age Roman, um dessen freche Erzählstimme sich ein Trauerschleier schmiegt.

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    Dominic Schmiedl
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    Entwurzelt: Monster wie wir von Ulrike Almut Sandig

    21. August 2020

    Monster wie wir von Ulrike Almut SandigOh weh, ostdeutsche Pampa steht da im Klappentext und auf der Buchrückseite von Ulrike Almut Sandigs Romandebüt Monster wie wir. Da kullern einem doch schnell viele Klischees durch die Birne. Aber Monster wie wir ist gar nicht so zwingend ein Roman über Ostdeutschland oder blühende Landschaften, die nie übers Keimstadium hinaus kamen – zumindest nicht vordergründig. Eigentlich geht es um Menschen, die kein Zuhause haben – ein Zuhause, das Geborgenheit bedeutet.

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    Dominic Schmiedl
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    Selbstbestimmt oder verrückt? Die Wahnsinnige von Alexa Hennig von Lange

    17. August 2020

    Die Wahnsinnige von Alexa Hennig von LangeAlexa Hennig von Langes neuer Roman Die Wahnsinnige beleuchtet das Leben einer Königin ohne Macht: Johanna von Kastiliens impulsiver Drang nach Selbstbestimmung kollidierte mit den Machtstrukturen ihrer Gesellschaft und brachte ihr den Beinamen “die Wahnsinnige” ein. Mehr als an der Schilderung historischer Fakten ist Alexa Hennig von Lange an der zeitgemäßen Frage interessiert, wie viel Selbstbestimmung eigentlich möglich ist.

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    Dominic Schmiedl
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    Verrückt, wozu der Geist fähig ist: Death in Her Hands von Ottessa Moshfegh

    17. Juli 2020

    Ottessa Moshfegh Death in Her HandsEs ist kein Geheimnis auf diesen Seiten, dass ich Ottessa Moshfegh für eine der besten Schriftstellerinnen ihrer Generation halte. Homesick for Another World ist einer der besten Erzählbände dieses Jahrzehnts, ihr letzter Roman My Year of Rest and Relaxation schaffte es in meine Top 3 des Jahres 2018. Nun folgt mit Death in Her Hands ihr dritter Roman und er bestätigt das große Versprechen ihrer ersten Veröffentlichungen. Auf Ottessa kann man sich verlassen – klug, fantasievoll, unterhaltsam. Einfach gut!

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    Dominic Schmiedl
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    Düstere Aussichten: Wir verlassen Kinder von Lucia Leidenfrost

    21. Mai 2020

    Wir verlassen Kinder von Lucia LeidenfrostDorfkinder, die sich selbst überlassen werden: Dieses Szenario wird von jungen, deutschsprachigen Schriftstellerinnen in letzter Zeit öfter entworfen. Auf Karoline Menges Warten auf Schnee und Verana Güntners viel beachteten Roman Power folgt nun Lucia Leidenfrost mit Wir verlassenen Kinder. Es ist nicht nur das Setting – ein unbestimmter Ort zu einer unbestimmten Zeit -, den die Texte gemein haben. Auch die soziale Kälte, die durch diese elternlosen Gemeinschaften weht, eint sie.

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    Dominic Schmiedl
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    Das Gefühl, ruiniert zu sein: 20XX von Philipp Röding

    1. Mai 2020

    20XX Philipp RödingIrgendwann zwischen 2001, der Gegenwart und einer nahen Zukunft verlieren und langweilen sich Videospielentwickler, gescheiterte Autoren, Hynotisieure und Schauspieler bei dekadenten Fressgelagen, Schießübungen und Kommunikationsversuchen, während der Fernseher schlechte Nachrichten bringt, die niemanden berühren. In Philipp Rödings zweitem Roman 20XX erscheint nichts dringlich, aber alles existenziell. Ein beunruhigendes Nebeneinander von Wohlstand und Langeweile, Tod und Armut bringt eine Welt am Rande des Ruins zum Vorschein.

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    Dominic Schmiedl
  • Kritik,  Allgemein,  Literatur

    Letzte Männer: August von Callan Wink

    22. April 2020

    Callan Wink AugustCallan Winks Der letzte beste Ort ist einer der besten Erzählbände der letzten Jahre. Drei Jahre später entführt der Debütroman August den Leser wie bereits die Stories ins “Flyover country”, also jenen Regionen der USA, die man meistens nur von oben sieht, wenn man von New York nach Los Angeles fliegt. Tatsächlich ist August eine Weiterentwicklung einer seiner Stories aus Der letzte beste Ort, “Breatharians”. Im Roman entwickelt Wink die Geschichte der auseinanderfallenden Farmersfamilie weiter und begleitet den zwölfjährigen August bis ins junge Erwachsenenalter, von Michigan in die Rocky Mountains von Montana.

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    Dominic Schmiedl
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    Liebe, gegenwärtig: Allegro Pastell von Leif Randt

    30. März 2020

    Allegro PastellLeif Randt hat mit Allegro Pastell ein hervorragendes Buch über die Liebe zwischen Millennials geschrieben, das mit viel Eleganz, aber am Puls der Zeit und ohne jeden Kitsch geschrieben ist. Damit ist Allegro Pastell sogar auf der Shortlist des Preises der Leipziger Buchmesse gelandet. Gewonnen hat er ihn dann leider nicht – verdient hätte er es aber. Wenn man heute über Liebe schreibt, dann doch bitte so.

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    Dominic Schmiedl
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    Mehr Leben durch Verzicht: If Cats Disappeared from the World von Genki Kawamura

    16. März 2020

    What If Cats Disappeared from the WorldIn manche Bücher stolpert man eher unverhofft. Dieses fing meinen Blick im Museumsshop des Albertinums. Zwar hat If Cats Disappeared from the World nichts mit bildender Kunst zu tun, aber manch Museumsshop stellt sich heute ja gern etwas breiter auf. Der Titel klang spannend, das kleine Kätzchen auf dem Cover ist ein Blickfang und da ich meiner Erinnerung noch nie etwas von einem japanischen Autoren gelesen habe, griff ich einfach zu – und wurde mit einem kurzweiligen Roman belohnt.

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    Dominic Schmiedl
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Der Schmiertiger sagt hallo

Der Schmiertiger streunt durch Seiten, schleicht durch Galerien, schnurrt zu Vinyl: kein Haustier – eher ein Kulturwesen auf Streifzug.
Wer ihm folgt, landet in Essays, Kritiken und Gedankensplittern.
Zwischen Hochkultur und Pop verirrt er sich gern – ohne den Kompass zu verlieren.

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