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    No happy Vibes: Lento Violento von Maria Muhar

    Lento ViolentoDas 90er Jahre Revival dauert an: Die Wiederkehr vergangener Trends lässt vermuten, wir befinden uns in einem Loop. Symptomatisch dafür ist natürlich elektronische Musik, die ganz zentral auf Wiederholung fußt. Maria Muhars Roman Lento Violento ist gleich nach einer Stilrichtung der Zeit benannt, spielt aber im Österreich der Ibiza-Affäre. Alex, Protagonistin des Texts, ist besessen von Eurodance, hat aber ziemlich wenig Spaß. Ohnehin: Lento Violento ist ein Text, der sich aus Zitaten der Zeit zusammensetzt, aber nichts von ihrer Ekstase birgt.

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    Berlin, gegenwärtig: Der Hausmann von Wlada Kolosowa

    Der HausmannAbwechslungsreicher kann ein Buch kaum sein: Wlada Kolosowas Der Hausmann ist multiperspektivisch erzählt, vereint Prosa mit Graphic Novel und entführt den Leser in das Berlin abseits des S-Bahn-Rings. Hier findet sich Tim, der titelgebende Hausmann, mit seiner Freundin Thea wieder, nachdem sie aus der Wohnung am Maybachufer gentrifiziert wurden. Es ist ein abwechslungsreicher, unterhaltsamer Text nah am Puls der Zeit.

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    Menschliches Material: Zeremonie des Lebens von Sayaka Murata

    Menschliches Material: Zeremonie des Lebens von Sayaka MurataPullover aus Menschenhaar, Happy Future Food, Trauerfeiern, die in kannibalistischen Orgien münden: Sayaka Muratas Zeremonie des Lebens ist ein bemerkenswerter Erzählband, der vor allem durch inhaltliche Originalität zu überzeugen weiß. Die Japanerin erzählt mit verblüffender Selbstverständlichkeit von einer teils ungeheuerlichen nahen Zukunft (oder alternativen Realität?) und lässt den Leser die Sitten hinterfragen, in denen er lebt.

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    Dunkle Zeiten: Lapvona von Ottessa Moshfegh

    Lapvona von Ottessa MoshfeghDie Gebrüder Grimm würden sich gruseln: Ottessa Moshfeghs vierter Roman Lapvona ist ein düsteres Mittelaltermärchen, in der die Unschuld einen schlechten Stand hat, Erlösung herbeigesehnt, aber nicht beizukommen ist. Dreh- und Angelpunkt ist dabei der Junge Marek, der – missgebildet und ungeliebt -, einen ganz und gar unvorhersehbaren Aufstieg erlebt, aber als Held genauso wenig taugt, wie die abscheulichen Menschen um ihn herum.

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    Herzensbildung in herzlosen Zeiten: Die karierten Mädchen von Alexa Hennig von Lange

    Die karierten MädchenAlexa Hennig von Langes neuer Roman Die karierten Mädchen ist ein Text des Erinnerns: Er erzählt vom Schrecken des Nationalsozialismus abseits der Front und der eigenen Familiengeschichte. Die Hauptfigur des Romans, Klara, ist an der Großmutter der Autorin angelehnt. Die besprach im hohen Alter Kassetten mit ihren Lebenserinnerungen. Die Autorin scheute lang, diesen Fundus aus über 130 Kassetten anzuhören. Gut, dass sie es schließlich getan hat.

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    Wach bleiben: Laborschläfer von Jochen Schimmang

    LaborschläferReiner Roloff ist Laborschläfer: Der studierte Soziologe mit gebrochener Erwerbsbiografie ist fast so alt wie die BRD und nimmt an einer Langzeitstudie zum Einfluss des Schlafs auf das Erinnern teil. Es ist also ein Roman des Zurückblickens, aber gewissermaßen auch des Sich-Findens. Jochen Schimmangs Laborschläfer ist auch ein Text, der sich ob seines Gegenstandes wenig überraschend mäandernd und voller Ruhe liest.