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    Wahnsinn mit Methode: Erdfall von Uroš Prah

    Erdfall von Uroš Prah„Mit der Vergangenheit kann man sich nur selbst betrügen / alle Lieben führen in die gegenwärtige / deren Ansammlung sie ist.“ Uroš Prahs Lyrikband Erdfall ist wild, unverblümt queer und unheimlich klug. Manche Texte – luftig auf dem Papier gesetzt, gelegentlich ohne Überschrift – stürmen chaotisch, dreckig, vulgär, nur um plötzlich innezuhalten und Lesenden Momente entwaffnender Einsicht zu schenken.

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    Putzig: Als ich Don Renzo schrieb von Günther Pfeifer

    Rezension: Als ich Don Renzo schrieb von Günther PfeiferDer kleine Günther ist zwar noch nicht einmal in der Schule, aber er weiß schon eine ganze Menge, zum Beispiel, dass es in Italien einfach am besten ist. Auch wenn er selbst dort noch nicht war. Als ich Don Renzo schrieb von Günther Pfeifer nimmt Lesende mit auf eine nostalgische Reise ins eher kleinstädtische Niederösterreich der 1970er, in der ein kleiner Junge nur von einem träumt: Endlich nach Italien zu reisen.

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    Ausnahmezustand? Ganz normal! Die Elefanten von Sasha Filipenko

    Rezension: Die Elefanten von Sasha FilipenkoElefanten müssen erneut als Metapher für die Absurdität heutiger Verhältnisse herhalten: Nachdem Gaea Schoeters in Das Geschenk 20.000 Dickhäuter in Berlin erscheinen ließ, um eine wunderbare Politiksatire zu spinnen, treibt Sasha Filipenko in Die Elefanten ein bitterböses Spiel über die Normalisierung des Ausnahmezustands. In einer unbenannten Hauptstadt – denkbar als Moskau – sind die Tiere wie bei Schoeters plötzlich da, werden aber nicht als Problem erkannt, das von den Herrschenden zu lösen ist, sondern als etwas, mit dem sich die Bevölkerung arrangieren muss – und die dies scheinbar bereitwillig auch tut.

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    Beton in der Brust: Uppercut von Maja Iskra

    Rezension zu Uppercut von Maja IskraZwei komplizierte Liebesgeschichten, erzählt in einem fast telegrafisch reduzierten Stil: In Uppercut von Maja Iskra erinnert sich eine in Wien lebende Frau an ihre Kindheit und Jugend in Belgrad, während sie eine gleichsam drängende wie schwebende Liebelei in der Gegenwart navigiert – eine gelungene Erzählung über die Koordinaten des Lebens in widrigen Umständen.

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    Fehlgeschlagene Verbindungen: Foto auf Anfrage von Simon Chevrier

    Rezension: Foto auf Anfrage von Simon ChevrierJeder will was, aber wenig gibt’s: In Foto auf Anfrage von Simon Chevrier driftet ein hübscher Endzwanziger durch das Toulouse des Jahres 2020. Die Pandemie droht, das Leben einzufrieren. Dabei ist es schon ziemlich kühl: Eine Beziehung ist zu Ende, das Lehramtsstudium nach dem Bachelor praktisch abgebrochen und der Vater stirbt. Das Foto eines wie selbstverständlich zur Kamera schauenden jungen Mannes, der an seinem eigenen großen Zeh lutscht, zieht ihn in den Bann, wird zur Manie, zur Identifikation und Aufgabe – herauszufinden, wer dieser junge Mann ist – und wer man selbst sein könnte.

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    Wilde Wege – Sie wollen uns erzählen von Birgit Birnbacher

    Sie wollen uns erzählen von Birgit Birnbacher Birgit Birnbacher zeigt sich als Autorin mit sozialpädagogischem Impuls. In ihrem letzten Roman Wovon wir leben widmete sie sich dem Wert der Arbeit, im neuen Text Sie wollen uns erzählen rückt Neurodivergenz im Zusammenhang mit Schule und Mutter-Kind-Beziehungen in den Fokus: Oz gilt trotz guter Noten als schwer „beschulbar“, seine Mutter hat ein unstetes Nervenkostüm und die Oma ist plötzlich aus dem Krankenhaus verschwunden. Es ist ein Roman über Umwege und das, was zählt.

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    Alles wird Nichts wird Alles: Schleifen von Elias Hirschl

    Schleifen von Elias HirschlBis alle Differenz zu nichts wird: Schleifen ist das vorläufige Meisterstück von Elias Hirschl, der hier Sprachwissenschaft und Mathematik, Geschichte und uferlose Imagination virtuos verwebt. Schleifen ist ein aufregender Text über Sprache und Sinn, man erinnert sich an Cormac McCarthys Stella Maris oder auch an Don DeLillo, zutiefst philosophisch und unterhaltsam zugleich, ein unheimlich komplexes Werk, das sich seinen Lesern aber nicht verschließt – etwas, das, seien wir mal ehrlich, extrem selten in der deutschsprachigen Literatur geworden ist.