Auf Muckle Fugga steht der nördlichste Leuchtturm Schottlands. Es ist eine schroffe, bis auf den Leuchtturmwärter und seinen Sohn Ouse menschenleere Insel – gleichsam ein Paradies für Vögel, Otter und Robben. In diese Abgeschiedenheit platzt Firth, ein lebensmüder Dandy und Schriftsteller, der ein paar Zeichnungen der Fauna anfertigen will, bevor er sich umbringt. Der letzte Leuchtturm ist das Debüt eines Lyrikers – wortgewandt und plauderhaft entspinnt sich eine abenteuerliche Geschichte über Selbstbestimmung, Familie und die regenerierende Schönheit unbeherrschter Natur.
Firth kommt aus Edinburgh und hat dort scheinbar verbrannte Erde hinterlassen. Auf Muckle Fugga schmoren Ouse und sein Vater im eigenen Saft. Letzterer ist ein Mann mit kurzer Zündschnur, ein Mann der Tat, ein Mann des Zorns und der Trauer. Denn „die Mutter“ – seine Frau und Ouses Mutter – ist schon seit einiger Zeit tragisch ums Leben gekommen.
Es herrscht ein strenges Regiment, voll verbaler Wutausbrüche, wüster Beschimpfungen und physischer Gewalt. Ouse hat wenig vom schroffen Vater – er hat die Seele eines Künstlers, strickt Pullover, die sich auf dem Festland großer Beliebtheit erfreuen und für ein Zubrot sorgen. Er ist der Insel aber nicht weniger verbunden als der Vater selbst – allen Beschimpfungen und Ohrfeigen zum Trotz respektiert Ouse seinen Vater und ist selbst bestens akklimatisiert an ein Leben im Angesicht der rauen Natur, der die Insel ausgesetzt ist.
Gäste kommen nur selten und sind eine willkommene Abwechslung für Ouse – und ein Ärgernis für den Vater, der sie als verweichlicht erachtet und als Gefahr betrachtet. Der Argwohn wird besonders groß, als sich eine Bindung zwischen Ouse und dem Dandy aus der Großstadt entwickelt. Dieser wärmt gegenüber der Insel auf und entdeckt in Ouse so etwas wie einen neuen Sinn – der eigentümliche Junge ist von wahrer Originalität, etwas, das Dandys wie er in der Hauptstadt nur behaupten, selten aber sind.
Während die schroffe Landschaft und der rabiate Umgangston eine ähnlich knappe Sprache erwarten lassen würden, stattet Michael Pedersen den Roman mit einer lebendig tänzelnden Sprache aus, die klar auf der Seite des Großstädters steht und weniger auf der der eher wortkargen Inselbewohner. Fast schon rokokoartig dekoriert ist die Sprache, die zuweilen auch etwas aufgebläht wirken kann – das muss man mögen. Den Kontrast bieten die im Whiskeyrauch ausschweifenden Monologe des Vaters, der sich und seine Zunft glorifiziert und nie um schnoddrige Bilder verlegen ist:
„’N Wärter fühlt jeden Sturm in den Knochen, bevor er lostobt – so wien Mann die Pisse im Schwanz hochsteigen fühlt, bevor sie oben rausspritzt“ [sic] (S. 122).
Der letzte Leuchtturm ist eine etwas andere Dreiecksgeschichte, in der ein fremder Dandy um den begabten Sohn des grobschlächtigen Vaters buhlt. Eingebettet ist das in die lebhaft gestaltete Landschaft des nördlichsten Schottlands mit all seinen Zug- und Wasservögeln und händchenhaltenden Ottern. Unterhaltsam!
Der letzte Leuchtturm von Michael Pedersen ist bei DuMont erschienen.
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