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    Kathedralen der Kindheit: Am Rand der Dächer von Lorenz Just

    Am Rand der DächerEine Jugend in Berlin: Umbrüche, Aufbrüche, Verlust der Unschuld – nach seinem eher durchwachsenen Erzählband Der böse Mensch legt Lorenz Just mit Am Rand der Dächer seinen Debütroman vor. Wie üblich für Debüts, ist es ein Coming of Age Roman, angesiedelt im Berlin der Wendejahre, der seinen Erzähler Andrej bis zur Jahrtausendwende begleitet. Beste Voraussetzung für eine aufregende Erzählung eigentlich, könnte man meinen. Aber von Sturm und Drang fehlt in der Sprache jede Spur.

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    Selbstbestimmt oder verrückt? Die Wahnsinnige von Alexa Hennig von Lange

    Die Wahnsinnige von Alexa Hennig von LangeAlexa Hennig von Langes neuer Roman Die Wahnsinnige beleuchtet das Leben einer Königin ohne Macht: Johanna von Kastiliens impulsiver Drang nach Selbstbestimmung kollidierte mit den Machtstrukturen ihrer Gesellschaft und brachte ihr den Beinamen “die Wahnsinnige” ein. Mehr als an der Schilderung historischer Fakten ist Alexa Hennig von Lange an der zeitgemäßen Frage interessiert, wie viel Selbstbestimmung eigentlich möglich ist.

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    Der Putz bröckelt: Sh*tshow von Richard Russo

    Sh*tshow von Richard RussoWas ist nur los in Amerika? Am Morgen nach den Wahlen laden die Pensionäre David und Ellie zwei lang befreundete Eheleute ein – “das Bedürfnis nach tröstender Gesellschaft” bringt sie dazu (7). Vor allem Ellies “Wahlabendkater” ist schlimm – eine  fundamentale Verunsicherung frisst sich in ihr Leben. Sh*tshow von Richard Russo ist eine kurze Novelle, die leichtfüßig von einem gespaltenen Amerika erzählt.

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    Das kalte Dorf: Power von Verena Güntner

    verena güntner powerKerze sucht nach Power: So metaphorisch aufgeladen könnte man die Handlung von Verena Güntners Roman prägnant zusammenfassen. In Power erzählt sie von dem vorpubertären Mädchen Kerze, das sich auf die Suche nach dem entlaufenen Hund (Power) einer einsamen, älteren Dorfbewohnerin macht, um die sich sonst keiner weiter kümmert. Die Suche gestaltet sich schwierig, aber Kerze kennt keine Angst und hält immer alle Versprechen. Schließlich beschwört sie damit eine handfeste Krise in ihrem Dorf herauf.

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    Der ganz normale Wahnsinn: Die Weihnachtsgeschwister von Alexa Hennig von Lange

    Die WeihnachtsgeschwisterAlexa Hennig von Lange hat für ihren Roman Kampfsterne viel Aufmerksamkeit bekommen letztes Jahr. Ihr vielstimmiges 80er Jahre BRD-Gesellschaftsportrait ist ein rasant erzählter Text, der sich zum Ende hin zu überschlagen drohte. Ihr neuer, halb so langer Roman Die Weihnachtsgeschwister bietet weniger dramaturgischen Bombast und gehört für mich zu ihren besten Texten seit dem Debütroman Relax und der Novelle Woher ich komme. Er passt natürlich auch wunderbar in die Jahreszeit.

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    Ein Haus auf dem Land/Eine Wohnung in der Stadt von Jan Brandt

    Die Frage, wie wir Leben wollen, ist unausweichlich mit dem Ort dieses Lebens verwoben. In zunehmendem Maße ist dieser Ort die Stadt. Während dort die Mietspiegel stetig steigen und man sich fragt, wer sich das alles überhaupt noch leisten kann, haben Dörfer fernab der Speckgürtel mit Überalterung und dem Fehlen der Annehmlichkeiten moderner Lebenswelten zu kämpfen - jeder, der in Brandenburg mobil ins Internet will, weiß, was ich meine. Jan Brandt hat mit Ein Haus auf dem Land/Eine Wohnung in der Stadt zwei Bücher in einem Geschrieben - einmal erzählt er von seinem Leben in Berlin und einmal von seiner ostfriesischen Herkunft und dem Kampf um den Erhalt des Hauses seines Urgroßvaters. Jan Brandts persönliche, buchlange Essays stellen den Leser vor eine Entscheidung: Welchen der beiden Texte will man zuerst lesen? Ein Haus auf dem Land/Eine Wohnung in der Stadt hat zwei Cover - es sind sogesehen zwei Bücher, die in einem gebunden wurden. Natürlich sind sie thematisch auch verwandt und es gibt hier wie da Querverweise. Man könnte die Aufteilung in zwei Bücher also durchaus auch als Spielerei betrachten. Ich entschied mich für Eine Wohnung in der Stadt (wie im wahren Leben). In diesem Essay hat Jan Brandt chronologisch seine Erfahrungen in Berlin niedergeschrieben. Er zog 1998 in die Hauptstadt, die zu jener Zeit mehr Einwohner verlor als sie hinzu gewann und über reichlich unsanierten, spott billigen Wohnraum verfügte. Für Brandt eine ideales Umfeld - denn er stand zu dieser Zeit erst am Anfang seiner Karriere als Schreibender. Der Umzug von Köln, wo er vorher studierte, nach Berlin war also vornehmlich ökonomischen Überlegungen geschuldet. Neben den günstigen Mieten bot Berlin auch ein aufregendes Lebensumfeld für einen aufstrebenden Künstler. Jan Brandt war schließlich nicht der einzige, den es in die Hauptstadt verschlug. So erfährt der Leser auf den ersten Seiten auch viel über die dort blühende Literaturszene um die Jahrtausendwende. Diese gerät aber mit den Jahren zunehmend aus dem Blick: Nach den Künstlern kommen die Investoren, die Mieten steigen und jeder Wohnungswechsel will gut überlegt sein. Bis es schließlich nichts zu überlegen gibt: Jan Brandt wird eines Tages wegen Eigenbedarf gekündigt. Für fast ein ganzes Jahr zum Wohnungssuchenden, der sich in Menschentrauben durch Wohnungsbesichtigungen schiebt. In dieser zweiten Hälfte liest sich Eine Wohnung in der Stadt ein bisschen wie ein Krimi. Denn neben der Suche nach einer bezahlbaren und schönen Wohnung treibt Brandt sich auch damit um, den Eigenbedarf zu widerlegen und vielleicht doch nicht umziehen zu müssen. Manische Züger werden erkennbar, die Wohnungssituation wird das bestimmende Thema seines Lebens. Er spioniert sogar tagelang dem Sohn seines Vermieters hinterher- Zeit zum Schreiben bleibt kaum. Irgendwann in der Zwischenzeit erfährt Brandt auch, dass das Haus seines Urgroßvaters zum Verkauf steht. Die Überlegung, zurück in die alte Heimat zu ziehen, drängt sich plötzlich auf. Ausführlich wird dies in dem anderen Essay, Ein Haus auf dem Land, beschrieben. Hier zeigt sich Brandt wie auch schon in seinem Essayband über Los Angeles als auf Details achtender Beobachter, der aus seinem Leben berichtet, ohne zu persönlich dabei zu werden. Das führt manchmal aber auch zu Redundanzen und Wiederholungen. Das hat einerseits mit der Zweiteilung des Buches zu tun. In einem Text und chronologisch erzählt, wären diese ohnehin wenigen inhaltlichen Dopplungen wahrscheinlich ausgeblieben. Durch die Teilung in zwei Essays steht jeder der texte gut auf eigenen Beinen- man muss sie also auch nicht auf einmal Lesen. Redundant wird Brandt in einer Passage in der er über mehrere Seiten aufzählt, welche Ereignisse der Weltgeschichte sich in der Zeit, seit der das Haus des Urgroßvaters erbaut wurde, ereignet haben. Nach einer halben Seite habe ich an das Ende des Kapitels geblättert. Ich hatte es auch so verstanden - es war ein sehr altes Haus und sein Abriss vernichtet auch ein Stück der Identität und Geschichte des Heimatdorfes. Interessanter lesen sich dafür die Kapitel, die sich um Brandts eigene Familiengeschichte drehen. Es ist eine Geschichte, die davon geprägt war, aus dem Dorf wegzuziehen (wie er selbst). Ein Großteil seiner Verwandtschaft lebt in den USA. Diese Auswanderungsgeschichte begann mit dem Bruder seines Urgroßvaters, nun scheinen die Spuren, die beide auf zwei Kontinenten hinterließen, abgerissen zu werden. Letztlich ist Leser von Ein Haus auf dem Land/Eine Wohnung in der Stadt ein Vergleich zwischen zwei Lebensräumen. Trotz aller Unterschiede zeigt sich dabei auch, dass manche Entwickung auch nicht vor dem Land halt macht. Wo Menschen sind, da ist auch Wandel. Während die Berliner Altstadtwohnungen saniert und ganze Viertel gentrifiziert werden, muss auf dem Land ein altes Haus eben einem seniorengerechten Neubau weichen. Wirkliche neue Einsichten sollte man von Ein Haus auf dem Land/Eine Wohnung in der Stadt vielleicht nicht erwarten - die Diskussion um steigende Mieten ist inzwischen omnipräsent. Doch das soll dem Buch kein Abbruch tun. Ein Haus auf dem Land/Eine Wohnung in der Stadt eine gelungene, sich manchmal etwas in Details verlierende, Gegenwartsbeschreibung, die sich überdies flüssig liest. Es sind persönliche Texte, eine Stimme, die sich in einen größeren gesellschaftlichen Diskurs einschreibt. * Ein Haus auf dem Land/Eine Wohnung in der StadtDie Frage, wie wir Leben wollen, ist unausweichlich mit dem Ort dieses Lebens verwoben. In zunehmendem Maße ist dieser Ort die Stadt. Während dort die Mietspiegel stetig steigen und man sich fragt, wer sich das alles überhaupt noch leisten kann, haben Dörfer fernab der Speckgürtel mit Überalterung und dem Fehlen der Annehmlichkeiten moderner Lebenswelten zu kämpfen – jeder, der in Brandenburg mobil ins Internet will, weiß, was ich meine. Jan Brandt hat mit Ein Haus auf dem Land/Eine Wohnung in der Stadt zwei Bücher in einem geschrieben – einmal erzählt er von seinem Leben in Berlin und einmal von seiner ostfriesischen Herkunft und dem Kampf um den Erhalt des Hauses seines Urgroßvaters.

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    Überhitzung: Kampfsterne von Alexa Hennig von Lange

    Die Sünden der Eltern: Kampfsterne von Alexa Hennig von LangeWas das Lesen angeht, war Alexa Hennig von Lange so etwas wie meine erste Liebe. Ihr  Debütroman Relax (1997) war einige Wochen das Gespräch auf dem Pausenhof, weil er die gängigen Vorstellungen von Literatur, die man als  Jugendlicher durch den Deutschunterricht so hat, sprengte: Ein aufregendes Wochenende in Berlins Technoszene, erzählt in rasend schneller, rotziger Sprache, endlos unterhaltsam, witzig und verblüffend. Jetzt, beinah zwanzig Jahre später, ein Wiedersehen: Im August erschien Hennig von Langes neuer Roman Kampfsterne bei Dumont.

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    Kalifornische Träume: Jan Brandts „Stadt ohne Engel“

    Jan Brandt Stadt ohne EngelLos Angeles ist eine schwer zu (be)greifende Stadt. Darum nähert man sich ihr gerne über ihre Einzelteile. Da ist die Traumfabrik Hollywood, die Schönen und Reichen von Beverly Hills, die Ghettos im Süden der Stadt, das hippe Venice am Pazifik, Disneyland in Anaheim und ein Speckgürtel aus endlos verwachsenen Vorstädten. Wenn nachts die Luft vor Hitze und Smog nicht flirrt, treffen sich Lichter und Sterne am Horizont.