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    “Move little hands… Move!” Die tschechischen Surrealisten Jan & Eva Švankmajer

    “Move little hands… Move!” Die tschechischen Surrealisten Jan & Eva ŠvankmajerWas ist denn hier los?! Überflutung der Sinne, es knarzt und tönt aus allen Ecken, dicht an dicht gedrängt sind Objekte aller Art, Videos, Gemälde, Grafiken, Puppen: Move little hands… Move! ist eine Retrospektive der tschechischen Surrealisten Jan & Eva Švankmajer. Über 300 Exponate hat man in die Kunsthalle im Lipsiusbau gestopft, ein heilloses Durcheinander auf dem ersten Blick. Auf dem zweiten auch. Hier regiert die Befreiung von jedweden Ordnungssystemen.

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    Meine drei wichtigsten Bücher 2019

    bret easton ellis fabian hischmannDer Start ins Bücherjahr 2019 war etwas verhalten. Nur wenig hat mich im ersten Halbjahr so wirklich von den Socken gehauen. Zurückblickend ein Trugschluss. Denke ich daran, welche drei Bücher ich aus diesem Jahr uneingeschränkt empfehlen würde, fallen mir doch einige ein. Besonders das Herbstprogramm hatte viele Perlen zu bieten.

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    Erste Liebe rostet nicht: Queen July von Philipp Stadelmaier

    Queen July von Philipp StadelmaierManche Menschen lassen einen einfach nicht los, auch nicht, nachdem sie schon lange losgelassen haben. So geht es zumindest Aziza, deren erste Liebe sie seit achtzehn Jahren wie ein Phantom heimsucht. An einem heißen Sommer in Paris erzählt sie der in einer Badewanne sitzenden und Weißwein schlürfenden July davon. Philipp Stadelmaiers Queen July ist ein luftig leichter, kurzer Roman über die Liebe und die Freundschaft.

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    Warten, dass der Blitz einschlägt: Hyperspace von Beck

    beck hyperspaceDas musikalische Chamäleon Beck verabschiedet sich zwei Jahre nach Colors wieder vom Hochglanz-Pop und widmet sich dem Zukunftssound der späten 70er: Analoge Synthesizer und Drumcomputer bestimmen den Klang von Hyperspace. Das Ganze klingt wie eine Mixtur aus dem Space Funk von The Information, der Prince-Hommage Midnight Vultures und dem nachdenklichen Folk von Morning Phase

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    Der ganz normale Wahnsinn: Die Weihnachtsgeschwister von Alexa Hennig von Lange

    Die WeihnachtsgeschwisterAlexa Hennig von Lange hat für ihren Roman Kampfsterne viel Aufmerksamkeit bekommen letztes Jahr. Ihr vielstimmiges 80er Jahre BRD-Gesellschaftsportrait ist ein rasant erzählter Text, der sich zum Ende hin zu überschlagen drohte. Ihr neuer, halb so langer Roman Die Weihnachtsgeschwister bietet weniger dramaturgischen Bombast und ist für mich ihr bester Text seit dem Debütroman Relax und der Novelle Woher ich komme. Er passt natürlich auch wunderbar in die Jahreszeit.

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    Irgendetwas, das hält: Entfernte Geliebte von Maike Wetzel

    Entfernte Geliebte von Maike WetzelMaike Wetzels dritter Erzählband Entfernte Geliebte versammelt Geschichten aus den letzten neunzehn Jahren. Einige davon waren in ihren ersten beiden Sammlungen Anfang des Jahrtausends erschienen, andere in anderen Formaten und weitere waren bisher unveröffentlicht. Ein stringenter thematischer Faden sollte also nicht zu erwarten sein, doch sind sie unverkennbar von einer Hand. Und das obwohl die achtzehn Texte in Länge, Sujet, Stil und Qualität viel Variation bieten. An manchen Stellen schwingt sie sich dabei zu Höhen auf, die nur wenige erklimmen können.

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    Mit den Ohren sehen: In a Landscape von Sa Pa

    In A Landscape by Sa PaWenn ich Zeilen wie diese schreibe, dann liegt mir oft Sa Pas erstes Vinyl-only Album 風物詩 im Ohr. Die japanischen Schriftzeichen lesen sich in lateinische Buchstaben übertragen Fūbutsushi, was wiederum – so zumindest die Discogs-Seite zum Album – “Die sensorischen Dinge, die Erinnerungen oder Vorfreude auf eine bestimmte Jahreszeit hervorrufen” bedeuten soll (Google Translate gibt trocken “Tradition” als Übersetzung an). Und so klingt die Musik dann auch – cineastisch, alltäglich und fremd zugleich. Zusammengesetzt wird sie zu großen Teilen aus Field Recordings, Aufnahmen aus der realen Welt, die bearbeitet und mit Sounds aus des Produzenten Zauberkiste verwoben werden. Das neue Album, In a Landscape, geht diesen Weg konsequent fort.

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    Ich aber komme aus Dresden (Check it out man, check it out) im Albertinum

    A. R. Penck Die Sonderausstellungen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden im Albertinum zeichnen sich in letzter Zeit durch einen verstärkten Fokus auf Dresden oder die DDR aus. Auf den Blick in die Archive in einer Ausstellung zu Ostdeutscher Malerei und Skulptur folgten die Zukunftsräume der Dresdner Avantgarde. Mit Ich aber komme aus Dresden (Check it out man, check it out) zeigt das Albertinum das Werk des Dresdners Ralf Winklers (1939-2017), der unter dem Pseudonym A.R. Penck international bekannt wurde.

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    Mutterlos in Berlin: Levi von Carmen Buttjer

    Mutterlos in Berlin: Levi von Carmen ButtjerCarmen Buttjers Romandebüt Levi verhandelt Erwachssenwerden und Verlust auf flott erzählte und durchaus eigenwillige Weise. Der elfjährige Levi hat seine Mutter verloren, klaut ihre Urne während der Beerdigung und streunert verloren durch Berlin. Orientierung geben ihm dabei zwei väterliche Freunde,- das Verhältnis zum eigenen Vater ist distanziert und wird durch einen schlimmen Verdacht zusätzlich belastet.

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    Vater, Mutter, Kim von Eivind Hofstad Evjemo

    Vater, Mutter, Kim von Eivind Hofstad EvjemoDer Roman Vater, Mutter, Kim des Norwegers Eivind Hofstad Evjemo beginnt damit, dass am 29. Juli 2011 eine Familie in ihr Wohngebiet zurückkehrt. Doch ein Sitz bleibt leer, die Tochter “war von etwas mitgerissen worden, was sich außerhalb dieser Idylle befand” (14). Dieses Etwas geschah am 22. Juli 2011, als der Rechtsterrorist Anders Behring Breivik 77 Menschen in den Tod riss, viele davon Jugendliche, die an einem Zeltlager der Jugendorganisation AUF teilnahmen. Evjemos ruhig erzählter Roman über unaussprechlichen Verlust streift dieses grässliche Etwas nur, konzentriert sich stattdessen auf das, was in der Idylle zurückbleibt.