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    Unsere Familien, unsere Häuser, unsere Dörfer: Kosakenberg von Sabine Rennefanz

    Kosakenberg von Sabine RennefanzMan kann den Menschen aus dem Dorf bekommen, aber das Dorf nicht aus dem Menschen. Man kann Kosakenberg von Sabine Rennefanz durchaus als Variation dieser Binsenweisheit lesen. Ihre Erzählerin Kathleen hat es aus dem kleinen brandenburgischen Dorf Kosakenberg – die Autorin selbst ist aus Beeskow – nach London gebracht. Sie wollte immer weg. Aber die Heimat lässt sie nie so ganz los. Ein Roman über eine Entfremdung und ostdeutsche Minderwertigkeitsgefühle.

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    Ewig leben: Wir werden jung sein von Maxim Leo

    Wir werden jung sein von Maxim LeoDie Vermutung, dass des Menschen Forschungsdrang letztlich auch sein Untergang sein wird, ist nicht neu. Und es ist ein Thema, das mit neuer Intensität im gesellschaftlichen Diskurs aufflammt. Nicht umsonst war ein Biopic über Oppenheimer einer der Kassenschlager des letzten Jahres. Klimawandel, die Diskussionen um die Folgen künstlicher Intelligenz reihen sich hier ein. Wir werden jung sein von Maxim Leo widmet sich der medizinischen Forschung und ihren gesellschaftlichen Implikationen: Martin Mosländer erforscht ein Medikament zur Regeneration des Herzmuskels und hat dabei den Jungbrunnen gefunden.

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    Verlust und Vermeidung: Dead in Long Beach, California von Venita Blackburn

    Dead in Long Beach, CaliforniaDas Unglück ist passiert, wenige Minuten bevor Carol in das Apartment ihres Bruders Jay läuft. Eben hat sie noch mit ihm telefoniert, jetzt liegt er leblos im Bett. Selbstmord. Dead in Long Beach, California nähert sich dem Trauma über die Vermeidungsstrategie seiner Protagonistin. Die findet eine Nachricht ihrer Nichte Khadija auf Jays Telefon – und antwortet ihr als Jay. Venita Blackburn, die sich mit zwei Short Story Bänden einen Namen machte, hat einen originellen, fast schon bizarren Roman über Trauer geschrieben, der leider nicht vollends überzeugt.

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    Eine Frau und ihr Drucker: Xerox von Fien Veldman

    Xerox von Fien VeldmanEine junge Frau in einem Amsterdamer Start-up kümmert sich mit großer Fürsorge um den ihr anvertrauten Drucker und erzählt ihm aus ihrer Jugend in einem Problemviertel. Nebenbei muss sie noch ein mysteriöses Paket ausfindig machen. Fien Veldmans Xerox ist ein Roman über postmoderne Arbeitswelten, erzählt von Entfremdung und Milieugrenzen in einem eigentümlich trockenen Humor.

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    “Ich werde nie wieder ein Sklave sein”: James von Percival Everett

    James von Percival EverettDer äußerst produktive Schriftsteller Percival Everett mausert sich zu einer herausragenden Stimme in der amerikanischen Literatur. Sein neuer Roman James zementiert diesen Status – schließlich korrespondiert er zu dem amerikanischen Roman schlechthin: Die Abenteuer des Huckleberry Finn von Mark Twain. Er erzählt diesen Schlüsselroman der amerikanischen Literatur aus der Perspektive des Sklaven Jim, der in Everetts Vision aber lieber James genannt werden möchte.

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    Er, Hunter, Mann: Trophäe von Gaea Schoeters

    Trophäe von Gaea SchoetersHunter White ist dabei, die Big Five der Großwildjagd voll zu machen, als ihm Wilderer in die Quere kommen und “sein” Nashorn schießen. Er hat einen höheren sechsstelligen Betrag für die Jagdlizenz hingeblättert und steht nun ohne Trophäe da. Doch Van Heeren, sein Freund und gewissermaßen Jagdrevierleiter, macht ihm dann ein Angebot: Wie wäre es mit den Big Six – der Jagd auf Menschen? Gaea Schoeters’ Trophäe ist ein hoch spannender, komplexer Roman, der Joseph Conrad und Ernest Hemingway ins postkoloniale Zeitalter holt.

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    Alles nur geklaut? Yellowface von Rebecca F. Kuang

    Yellowface von Rebecca F. KuangJuniper ist neidisch auf Athena: Während ihre einstige Yale-Kommilitonin der bildhübsche, asiatisch-amerikanische Darling des Literaturbetriebs ist, war Junipers autobiografischer Debütroman ein Rohrkrepierer. Doch dann, am Ende einer durchzechten Nacht, stirbt Athena und Juniper klaut ihr neuestes Manuskript. Anstatt es dem Nachlass zu übergeben, beansprucht sie den Text für sich – und landet einen Bestseller. Doch Zweifel kommen auf: Warum sollte eine weiße Amerikanerin einen Roman über chinesische Arbeiter während des Ersten Weltkriegs schreiben? Rebecca F. Kuangs Yellowface ist ein rasanter Literatur-Thriller über Autorenschaft, die sozialen Medien und die Frage, wer über wessen Leid schreiben darf.

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    Kalte Leidenschaft: Arctic Mirage von Terhi Kokkonen

    Arctic Mirage von Terhi KokkonenDer Anfang ist das Ende: Auf der ersten Seite des Debütromans von Terhi Kokkonen hat Karo ihren Mann ermordet, der – immerhin – in den letzten Augenblicken seines Lebens doch noch die Polarlichter sehen darf. Das Paar hat einen Urlaub in Lappland gemacht und ist nach einem Unfall in der Hotelanlage Arctic Mirage gestrandet. Der Roman erzählt in leicht beklommener Atmosphäre rückblickend, wie es zu der Tat kam.

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    Kinder des postsozialistischen Ostens: Weltalltage von Paula Fürstenberg

    WeltalltageEin raffinierter Roman über Freundschaft, Krankheit und das Aufwachsen im postsozialistischen Osten: Paula Fürstenbergs Weltalltage ist ein Highlight des literarischen Frühjahrs, in dessen Zentrum eine kriselnde Freundschaft steht. Dabei entfaltet sich nicht nur ein Portrait der Ich-Erzählerin und ihres besten Freundes, sondern auch des Aufwachsens im Post-Wende-Osten.

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    Der absteigende Ast: Tahara von Emanuel Bergmann

    Tahara von Emanuel Bergmann“Marcel Klein [war] im Grunde nur ein Mensch, der die Kunst des Glücklichseins nie erlernt hatte” (5), stellt uns Emanuel Bergmann den Protagonisten seines am Rande der Filmbranche spielenden Romans Tahara vor. Vielleicht wird er das mit dem Glück nie lernen, denn er hat sein halbes Leben schon gelebt, eine Scheidung hinter sich und einen Job als Filmkritiker, der ihm nicht mehr alle Rechnungen zahlt. Etwas Licht – und Drama – kommt in sein Leben, als er der melancholisch-schönen Héloïse begegnet. Deren Name setzt sich laut Wikipedia übrigens “aus den Elementen heil „Glück“, „Gesundheit“, „heilig“ und víđ „weit“, „getrennt“, „entfernt“ zusammen”.