Tierisch beste Freunde: Ausstellungseröffnung im DHMD

ierisch beste Freunde DHMDMenschen haben eine sehr spezielle Beziehung zu Tieren: Während einige von ihnen ohne einen weiteren Gedanken in der Bratpfanne landen, werden andere mit allem versorgt, was das nächste Zoogeschäft hergibt. Das Deutsche Hygiene-Museum Dresden stellt in der am 27.10. feierlich eröffneten Ausstellung Tierisch beste Freunde die Beziehung zwischen Menschen und Heimtieren in den Fokus.

Nutztiere – also jene Tiere, die tendenziell eher in der Pfanne landen – sind eine Randnotiz der neuen Ausstellung. Es geht also um Hund, Katze, Maus und Mensch. Ein eher leicht verdauliches Thema, möchte man meinen. Wie Museumsdirektor Prof. Klaus Vogel und die Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst Dr. Eva-Maria Stange in ihren Grußworten zur Eröffnung aber versicherten, hat es durchaus gesellschaftliche Relevanz. Prof. Klaus Vogel legte dies mit der simplen Frage dar, wie viele der anwesenden Besucher denn eine Katze haben – es sind in Deutschland 30 Prozent der Haushalte, die vielen gehobenen Hände im Publikum lassen darauf schließen, dass dieser Schnitt in Dresden mehr als erfüllt wird (Katzen sind damit weitaus beliebter als Hunde).

Dr. Eva-Maria Stange stellte in ihrem Vortrag die Relevanz einer Ausstellung über „Haustiere und ihre Menschen“ – so der Untertitel der Ausstellung – anhand ökonomischer Überlegungen in den Fokus. Mehrere Milliarden Euro stecken die Deutschen jedes Jahr in ihre tierischen Begleiter. Bis zu 200.000 Arbeitsplätze sind hierzulande auf die eine oder andere Weise damit verbunden. Diese und weitere Zahlen finden sich dann auch in den Ausstellungsräumen wieder. Einige davon werfen ein eher kritisches Licht auf die Haustiernutzung in Deutschland: 300.000 Tiere werden jedes Jahr in ein Tierheim gegeben. 60 Millionen Fische verenden jährlich infolge von Haltungsfehlern. An solch eher ernüchternde Zahlen sind folglich Exponate geknüpft, die das Thema Tierrechte vertiefen.

Von solchen Zahlen und Entwicklungen, die ein eher negatives Licht auf Mensch-Tier-Beziehungen werfen einmal abgesehen, bietet Tierisch beste Freunde nur wenig Anlass für Trübsal. Die Ausstellung ist mehr daran interessiert, den Kontext der Haustierhaltung zu beleuchten. Wie hat sich die Haustierhaltung gesellschaftlich entwickelt? Warum halten sich Menschen Tiere, wenn sie sich keinen praktischen Nutzen (Schutz, Nahrung) davon versprechen? Vor allem die letzte Frage zeigt, dass die Ausstellung durchaus einen Platz im Deutschen Hygiene-Museum hat: Die Tiere werden geliebt, aber auch dominiert; sie stellen eine Verbindung zur wilden Natur her, werden aber aktuellen Moden angepasst; sie sind Vertraute und Begleiter, erfüllen emotionale Bedürfnisse, können eigene Bedürfnisse aber nicht klar ausdrücken.

Am spannendsten und unterhaltsamsten ist die Ausstellung, wenn sie den Perspektivenwechsel von Mensch zu Tier vollzieht. Die große Stärke des Deutschen Hygiene-Museums ist die stets liebevolle und interaktive Aufbereitung seiner Ausstellungen. Und so gibt es dem Besucher die willkommene Gelegenheit, die Welt mit den Augen eines Vogels zu sehen und selbst für ein paar Minuten dank Virtual Reality in ein Aquarium abzutauchen.

Tierisch beste Freunde hätte noch einen weiteren Perspektivwechsel vollziehen können: Mit dem Heimtier holt sich der Mensch ein Stück Natur ins Haus. Ein Aspekt, der leider ausgeblendet bleibt, ist das Verhältnis dieser domestizierten Tiere zur Natur selbst. Hier verpasst es das Hygiene-Museum, den Kreis zu schließen und der Frage nachzugehen, wie die gezüchteten, mit den Ursprungsformen nur noch wenig gemein habenden Tiere auf die Wildnis wirken, beispielsweise anhand des spannungsgeladenen Verhältnisses zwischen Hauskatzen und brütenden Singvögeln.

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Tierisch beste Freunde: Über Haustiere und ihre Menschen ist bis zum 1. Juli 2018 immer von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr im Deutschen Hygiene-Museum Dresden zu sehen. Weitere Informationen.

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