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    Sich suchen im anderen Selbst: Popóm von Johanna Sebauer

    Johanna Sebauers Popóm (2026, DuMont, 221 Seiten) ist ein Roman über Identität und Orientierungslosigkeit: Hendrik Popom, Endzwanziger und Werbetexter in Hamburg, erkennt in einem älteren Mann im Spätshop sich selbst – und der andere heißt tatsächlich ebenfalls Hendrik Popóm, nur mit Akzent. Sebauer erklärt das Doppelgängerphänomen nicht, beide Hendriks nehmen es als Fakt hin. Der Roman liest sich als Diagnose einer Generation, die verpasst hat, in der Welt zu sein – statt in der Fantasie vom Selbst. Rezension: schmiertiger.

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    Schroffe Schönheiten: Der letzte Leuchtturm von Michael Pedersen

    Michael Pedersens Der letzte Leuchtturm (2026, DuMont, dt. Stephan Kleiner) ist der Debütroman des schottischen Lyrikers. Auf Muckle Fugga, der nördlichsten Insel Schottlands, leben ein Leuchtturmwärter und sein künstlerisch begabter Sohn Ouse. Als der lebensmüde Edinburgher Schriftsteller Firth auf der Insel Quartier nimmt, entsteht ein Tauziehen zwischen Vater und Fremdem um den Sohn. Sprachlich rokokoartig dekoriert – als Kontrast zur kargen Landschaft und dem schroffen Vater bewusst eingesetzt, zuweilen aber aufgebläht. Stärken: lebendige Naturschilderungen, schnoddrige Vaterfigur, originelle Dreiecksstruktur. Rezension: schmiertiger.

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    Jahre mit Sam: Pijpelijntjes von Jacob Israel de Haan

    Jacob Israel de Haans Pijpelijntjes (1904, dt. Olaf Knechten) gilt als erster offen homosexueller Roman der niederländischen Literatur. Im naturalistischen Stil der Jahrhundertwende erzählt Joop von seiner komplizierten, asymmetrischen Bindung an Sam im Amsterdamer Arbeiterviertel de Pijp. Der autobiografische Roman kostete de Haan den Job. Sprachlich eigenwillig: lautmalerisch, mit zusammengesetzten Adjektiven wie „blauweißbleich". Ebenso lesenswertes Nachwort des Übersetzers. Rezension: schmiertiger.

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    Nicht heulen: Zähe Hunde von Falun Ellie Koos

    Falun Ellie Koos' Zähe Hunde (2026, Aufbau, dt. Andrea Kluitmann) ist ein Debütroman über Ada und ihren Bruder Broos, die in der niederländischen Unterschicht im Trailerpark eines verbitterten Gärtners aufwachsen. Der Roman ist an den verlorenen Bruder adressiert und wechselt zwischen der erzählten Gegenwart – Ada lebt bei einem Eremiten im galizischen Wald – und Kindheitserinnerungen. Themen: Klassenbruch, transgenerationales Trauma, Resilienz, die Ambivalenz von Bewunderung und psychischer Gewalt. Lakonisch erzählt, in einem Vokabular, das instinktiv und gelebt statt gesucht wirkt. Nominiert für den niederländischen Libris-Literaturpreis. Rezension: schmiertiger.

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    Künstlerin in der Krise: Strahlen von Verena Stauffer

    Verena Stauffers Strahlen (2026, Frankfurter Verlagsanstalt) folgt der Malerin Ava durch eine Schaffenskrise und mehrere dysfunktionale Beziehungen – in New York, Mailand und Wien. Die ersten hundert Seiten sind szenisch, milieusicher und gut: Kunst als Amüsement der internationalen Elite, gespiegelt in asymmetrischen Beziehungen zu toxischen Männern. Nach diesem ersten Drittel bricht der Roman ab und startet neu – mit anderem Milieu, anderem Erzählmodus, neuen Figuren. Der Wechsel von szenischem zu diskurshaftem Erzählen sowie literarisch inszenierte Online-Dialoge bremsen den narrativen Sog empfindlich. Stauffer, zweifach für den Österreichischen Buchpreis nominiert und 2025 beim Ingeborg-Bachmann-Preis, hatte interessantes Material – und verstolpert es. Rezension: schmiertiger.

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    Wahnsinn mit Methode: Erdfall von Uroš Prah

    Uroš Prahs Erdfall (2023, Luftschacht, dt. Daniela Kocmut und Uroš Prah) ist ein Lyrikband, der Gedichte aus drei slowenischen Originalbänden versammelt. Prah, 1988 in Maribor geboren, schreibt unverblümt queer – über Cruising, Einsamkeit, Liebe und den Schaffensprozess. Die Texte wechseln zwischen chaotisch-vulgärer Verdichtung und entwaffnender Kargheit: viel Weißraum, einzelne Sätze, narrative Sogwirkung trotz scheinbar assoziativer Fügung. Kein akademischer Lyrikband, sondern ein Textrausch mit Methode. Rezension: schmiertiger.

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    Putzig: Als ich Don Renzo schrieb von Günther Pfeifer

    Günther Pfeifers Als ich Don Renzo schrieb (2026, Kremayr & Scheriau) ist ein episodischer autobiografischer Text, der aus der Perspektive eines vier- bis fünfjährigen Jungen vom ländlichen Österreich der 1970er erzählt – und von der Sehnsucht nach Italien, die jeden Abschnitt beschließt. Tonal gelingt Pfeifer die kindliche Perspektive trotz erwachsenem Vokabular überzeugend. Gattungspoetisch ist die Bezeichnung „Roman" auf dem Buchdeckel irreführend: Die thematisch locker organisierten Kurzkapitel funktionieren eher als Kolumnensammlung denn als zusammenhängende Erzählung. Das dramaturgische Momentum fehlt – ebenso wie die Auseinandersetzung mit dem dunkleren Familiensubstrat, das im Text aufscheint: eine abwesende Mutter, eine Nervenheilanstalt. Sympathisch, aber kein Roman. Rezension: schmiertiger.

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    Ausnahmezustand? Ganz normal! Die Elefanten von Sasha Filipenko

    Sasha Filipenkos Die Elefanten (2026, Diogenes, dt. Ruth Altenhofer) ist eine satirische Parabel über die Normalisierung des Ausnahmezustands. In einer unbenannten Hauptstadt – denkbar als Moskau, aber geografisch bewusst entortet – erscheinen plötzlich Elefanten in Wohnungen und auf Straßen. Die Bevölkerung arrangiert sich, der Staat gibt Anweisungen. Nur der Stand-up-Comedian Pawel lehnt sich auf und wird zur Zielscheibe. Der Roman ist ein Metatext: Der Schriftsteller Alexander, Figur und impliziter Autor zugleich, kommentiert die Handlung über Foristen-Avatare und eingestreute Ministerialanweisungen – ein Verfahren, das die Erzählung bereichert, aber auch bremst. Filipenko schreibt gegen kollektives Wegschauen an – vor dem Angriffskrieg auf die Ukraine, dem Klimawandel, jeder unbequemen Wahrheit. Rezension: schmiertiger.

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    Keine Lust auf Sushi: Eddi von Andreas Martin Widmann

    Andreas Martin Widmanns Eddi (2026, Weissbooks) ist ein Coming-of-Age-Roman über die 15-jährige Eddi, die an einem Sportinternat nahe Neubrandenburg lebt und nach Japan ziehen soll, nachdem der Mutter Machtmissbrauch vorgeworfen wurde. Allein gelassen und ausgesperrt, ohne Smartphone, durchlebt sie eine Odyssee durch die brandenburgische Provinz – eine Probe der Selbstbehauptung, aus der sie mit neuer Frisur und einem Einblick in die Widersprüchlichkeiten der Erwachsenenwelt herausgeht. Kurz, unterhaltsam, lakonisch. Kein großer Wurf, aber eine sympathische Figur auf dem Weg zu sich selbst. Rezension: schmiertiger.

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    In die Magengrube: Brawler von Lauren Groff

    Lauren Groffs Brawler (2026, Riverhead Books) ist eine Kurzgeschichtensammlung mit neun Erzählungen, die weibliche Protagonistinnen in Extremsituationen zeigen – Flucht aus häuslicher Gewalt, Tsunami, sterbende Mutter, familiärer Zerfall. Das verbindende Motiv: abwesende oder überforderte Mütter, deren Kinder sich selbst ermächtigen müssen. Die Titelstory folgt einer Teenagerin, die körperliche Auseinandersetzungen nicht scheut und eine sterbende Mutter pflegt. „What's the Time, Mr. Wolf?" erzählt mit rund 100 Seiten mehrere Jahrzehnte einer Südstaaten-Bankiers-Familie und funktioniert eher als Kurzroman. Geographisch diffuser als der Vorgängerband Florida, thematisch fokussierter. Rezension: schmiertiger.