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    Kinder des postsozialistischen Ostens: Weltalltage von Paula Fürstenberg

    WeltalltageEin raffinierter Roman über Freundschaft, Krankheit und das Aufwachsen im postsozialistischen Osten: Paula Fürstenbergs Weltalltage ist ein Highlight des literarischen Frühjahrs, in dessen Zentrum eine kriselnde Freundschaft steht. Dabei entfaltet sich nicht nur ein Portrait der Ich-Erzählerin und ihres besten Freundes, sondern auch des Aufwachsens im Post-Wende-Osten.

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    Der absteigende Ast: Tahara von Emanuel Bergmann

    Tahara von Emanuel Bergmann“Marcel Klein [war] im Grunde nur ein Mensch, der die Kunst des Glücklichseins nie erlernt hatte” (5), stellt uns Emanuel Bergmann den Protagonisten seines am Rande der Filmbranche spielenden Romans Tahara vor. Vielleicht wird er das mit dem Glück nie lernen, denn er hat sein halbes Leben schon gelebt, eine Scheidung hinter sich und einen Job als Filmkritiker, der ihm nicht mehr alle Rechnungen zahlt. Etwas Licht – und Drama – kommt in sein Leben, als er der melancholisch-schönen Héloïse begegnet. Deren Name setzt sich laut Wikipedia übrigens “aus den Elementen heil „Glück“, „Gesundheit“, „heilig“ und víđ „weit“, „getrennt“, „entfernt“ zusammen”.

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    Verhungern mit vollem Bauch: Content von Elias Hirschl

    Content von Elias HirschlMit gerade einmal 30 Jahren veröffentlicht der Österreicher Elias Hirschl mit Content seinen bereits vierten Roman. Wie die schon überaus gelungene Polit-Satire Salonfähig (2021) schreibt er mit scharfer Feder und absurdem Humor über den Horror der Gegenwart: In Content erzählt die namenlose Protagonistin von ihrer sinnbefreiten Arbeit in einer rätselhaften Content Farm während die Welt um sie herum auseinanderfällt.

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    Vorwärts im Kreis: The Bullet Swallower von Elisabeth Gonzales James

    The Bullet Swallower von Elisabeth Gonzales JamesElisabeth Gonzales James ist gesegnet mit den zwei Talenten, aus denen wahrlich bemerkenswerte Bücher wachsen: Eine wilde Imaginationskraft und erzählerisches Gespür. Basierend auf ihrer eigenen Familiengeschichte in der Mexikanisch-Texanischen Grenzregion, ist The Bullet Swallower eine zeitumspannende Tour de Force, die Elemente aus Cervantes Don Quixote und Cormac McCarthys Blood Meridian mit einer Prise Magischem Realismus zu einem Western vermengt, der mitreißend von generationaler Schuld, Gewalt und Erlösung erzählt.

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    Dunkles Gefühl vom Ende der Jugend: Der Hirtenstern von Alan Hollinghurst

    Der HirtensternDer Brite Edward Manners kommt in einer Stadt in Flandern mit “dem dunkleren Gefühl, dass [er] das Ende der Jugend längst erreicht hatte “(12) an. Der Blick in den Spiegel enthüllt einen “bebrillten molligen Englischlehrer “ (37). Der hadernde Schriftsteller im Zentrum von Alan Hollinghursts Der Hirtenstern wird in einer flämischen Stadt als Tutor zwei Jungen unterrichten. Einer davon, der gut situierte, 17-jährige Luc, nimmt ihn mit seiner ganz eigenen Schönheit gefangen. Ein obsessives Wandern durch die unbenannte, mittelalterliche Stadt nicht unähnlich Thomas Manns Tod in Venedig nimmt seinen Lauf.

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    Die Zukunft der Vergangenheit: The Last Animal von Ramona Ausubel

    The Last AnimalWir leben im Zeitalter des Artensterbens, erinnert uns The Last Animal von Ramona Ausubel
    im ersten Satz. Der Roman ist eine Familien-Odyssee, die die Wissenschaftlerin Jane und ihre zwei Töchter im Teenager-Alter rund um den Globus führt. Im Rückspiegel: Der Tod des Familienvaters. In der Glaskugel: Die Wiederauferstehung des Mammuts. Es ist ein amüsanter, zeitweise absurder, aber auch gefühlvoller Text über Verlust, Zusammenhalt und die Zukunft.

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    Baggersee in Brandenburg: The Three of Us von Richard Kranzin

    The Three of UsMan kann die Überschrift durchaus als double entendre verstehen: Die zwei jungen Männer Malik und Jakob machen einen Campingausflug in Brandenburg. An einem See erspäht sie ein Dritter, Friedrich. Aus der Beobachtung wird eine sinnliche Begegnung fernab des Berliner Großstandlärms. Richard Kranzins Bildband The Three of Us entblättert in stilvollen Schwarzweiß-Fotografien die Schönheit der Natur und seiner Motive, ohne Worte entfaltet sich ein zeitloses narrativ ungezwungener Jugend.

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    Wir Propagandisten von Gabriel Wolkenfeld

    Wir PropagandistenWir Propagandisten – der Titel Gabriel Wolkenfelds erstmals 2015 veröffentlichten Debütromans, der nun neu vom Albino Verlag verlegt wird, ist eine Anspielung an die im Laufe des letzten Jahrzehnts in Russland verabschiedeten Gesetze, die es strafbar machen, affirmativ über Homosexualität zu sprechen. Wer offen schwul lebt, ist in Putins autokratischem Staat gewissermaßen ein Propagandist. Erzählt wird, basierend auf den eigenen Erfahrungen des Autors, von einem deutschen Mann, der als Fremdsprachendozent ein Jahr in Jekaterinburg lebt.

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    Meine drei Platten des Jahres 2023

    Meine drei Platten des Jahres 2023 Death By TicklingSpotify Wrap up geht nicht – leider keinen Account. Aber eine umfangreicher werdende Plattensammlung, die in diesem Jahr nicht nur um den einen (Electric Wizards Dopethrone) oder anderen Klassiker (The Haxan Cloaks Excavation) bereichert wurde, sondern auch einige überzeugende Neuerscheinungen aufnahm. Die besten drei in beliebiger Reihenfolge sind:

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    Die 3 Bücher des Jahres 2023

    Die 3 Bücher des Jahres 2023Es zeichnet sich ein Trend ab: Wie schon im Vorjahr beschäftigen sich viele literarische Werke mit ökologischen Fragen. Ob Ein heißes Jahr von Philippe Djian oder Eva von Verena Kessler in diesem Jahr oder die weiterhin unerreichte Joy Williams mit Harrow im vorherigen Jahr: We are fucked, scheinen uns diese Autoren im Hinblick auf das Klima zu sagen. Weitere drängende Themen auf dem Papier (oder Reader) sind Arbeit sowie Regionalität. Es folgt der literarische Jahresrückblick mit den meines Erachtens besten Büchern 2023.