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Putzig: Als ich Don Renzo schrieb von Günther Pfeifer

Rezension: Als ich Don Renzo schrieb von Günther PfeiferDer kleine Günther ist zwar noch nicht einmal in der Schule, aber er weiß schon eine ganze Menge, zum Beispiel, dass es in Italien einfach am besten ist. Auch wenn er selbst dort noch nicht war. Als ich Don Renzo schrieb von Günther Pfeifer nimmt Lesende mit auf eine nostalgische Reise ins eher kleinstädtische Niederösterreich der 1970er, in der ein kleiner Junge nur von einem träumt: Endlich nach Italien zu reisen.

Als ich Don Renzo schrieb ist ein episodischer Text, in dem sich der Autor in sein vierjähriges Alter Ego zurückversetzt und von seiner Italienschwärmerei, eigentlich aber von seiner Familie erzählt. Geschrieben im neunmalklugen, aber auch großäugigen Ton eines Jungen, der die Welt, die ihn umgibt, nicht so ganz durchblickt, aber sich doch irgendwie einen – seinen eigenen – Reim drauf macht. Die Danksagung und der Name des Jungen im Vorschulalter lassen vermuten, dass Günther Pfeifer hier über die eigene Kindheit schreibt. Und das gelingt ihm tonal wirklich hervorragend – die kindliche Neugier, Naivität, das Wünschen, das Langweilen, die Fantasie kommen hier trotz des Vokabulars eines erwachsenen Schriftstellers wunderbar rüber.

Kurios ist hingegen, warum Verlag und Autor „Roman“ auf den Buchdeckel schreiben. Literaturwissenschaftlich durch die Gattungsbrille betrachtet, ist Als ich Don Renzo schrieb einfach kein Roman. Diese Erinnerungsepisoden haben etwas, das sich sehr kolumnistisch liest: Organisiert nach Kapiteln, die durchschnittlich drei bis fünf Seiten lang und einigermaßen thematisch organisiert sind – Lesende werden beispielsweise mal ins Schwimmbad mitgenommen, Tanten und Onkel vorgestellt, ganz besonders die Verlobung der Tante mit einem Italiener –, enden sie sämtlich mit dem Wort Italien. Wöchentlich in einem Magazin oder einer Zeitung veröffentlicht, würde das als putzige Erheiterung sehr gut funktionieren. Wenn man sich dem Buch jedoch mit Erwartungen an einen Roman nähert, eher nicht. Die Faszination für Italien, der Wunsch, dieses nahe und für einen Jungen doch so ferne Land zu bereisen, bildet gewissermaßen den übergeordneten Bogen – der aber mehr Running Gag und Motiv als dramaturgischer Bogen ist. Wer schon einmal einem Vierjährigen zugehört hat beim Versuch, eine Geschichte zu erzählen, weiß, wie zerfasert das manchmal sein kann – und niedlich zugleich. Für einen Roman, also eine zusammenhängende Erzählung, bräuchte es aber etwas mehr dramaturgisches Momentum und Verdichtung.

So grundsympathisch dieses Projekt eigentlich ist, so wenig Sog entfaltet es als „Roman“. In dieser sonnig-nostalgischen Kindheitserinnerung schimmert dabei das Material durch, das dem Text mehr Gewicht hätte geben können. Günther nennt seine Großmutter Mutti, weil seine leibliche Mutter, die ihn wohl als Teenagerin bekam, im Text überwiegend durch ihre Abwesenheit in Erscheinung tritt – das Wort Nervenheilanstalt fällt an einer Stelle. Das mögen wiederum Dinge sein, die sich dem Verstand eines vier- oder fünfjährigen Kindes entziehen – und Pfeifer hat sich entschieden, trotz der Erzählung in der Vergangenheitsform beim Bewusstsein eines Kindes zu bleiben. Eine Entscheidung, die Respekt verdient, aber eben Potenzial liegen lässt und hier in Summe keinen wirklich gelungenen Roman ergibt – wohl aber eine sympathische Sammlung von Erinnerungen.

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Als ich Don Renzo schrieb von Günther Pfeifer ist bei Kremayr & Scheriau erschienen.

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