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Ich aber komme aus Dresden (Check it out man, check it out) im Albertinum

A. R. Penck Die Sonderausstellungen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden im Albertinum zeichnen sich in letzter Zeit durch einen verstärkten Fokus auf Dresden oder die DDR aus. Auf den Blick in die Archive in einer Ausstellung zu Ostdeutscher Malerei und Skulptur folgten die Zukunftsräume der Dresdner Avantgarde. Mit Ich aber komme aus Dresden (Check it out man, check it out) zeigt das Albertinum das Werk des Dresdners Ralf Winklers (1939-2017), der unter dem Pseudonym A.R. Penck international bekannt wurde.

A.R. Penck musste 1980 die DDR verlassen. Zu dieser Zeit war er bereits international bekannt (1972 war er bereits auf der Dokumenta in Kassel zu sehen). Nur in Dresden hat bis zum Mauerfall kaum jemand seine Bilder gesehen. Von der Kunsthochschule abgelehnt, schuf der Autodidakt seine Kunst im Untergrund, bis man ihm 1980 nahelegte, aufgrund seiner Kontakte und Verkäufe im Westen das Land zu verlassen. Ich aber komme aus Dresden (Check it out man, check it out) zeigt die ersten Gehversuche bis zu seiner Ausreise. Wenngleich die Malerei das Kernstück der Ausstellung ist, bringt sie einen umtriebigen Tausendsassa mit vielfältigen Interessen zum Vorschein, der sich weder stilistisch noch in der Wahl des Mediums festlegen wollte. Neben Kunstbüchern sind Super-8-Filme, Schriften und Schallplatten unter den Exponaten. Abwechslungsreicher kann eine Ausstellung zu einem einzelnen Künstler kaum sein.

Ich aber komme aus Dresden (Check it out man, check it out)
Weltbild Nr. 1 (1961)

Ich aber komme aus Dresden (Check it out man, check it out) führt chronologisch durch das künstlerische Schaffen A.R. Pencks. Von den ersten Bildern, die Tonal an das Vorbild Rembrandt erinnern, sich motivisch im Realismus und der Ostmoderne verorten lassen, zu abstrakten Arbeiten, die eine große Bewunderung für Picasso erkennen lassen, führt die Ausstellung zu Pencks “Systembildern”. Die stilistisch einfach gehalten Werke sind vom Beobachter in ihrer Codiertheit kaum zu entschlüsseln (siehe Weltbild Nr. 1, 1961). Ein rastloser Künstler kommt zum Vorschein, der seine intensive Auseinandersetzung mit Physik, Mathematik, Informationstheorie und Kybernetik in eine Kunst des “visuellen Denkens” zu übersetzen versuchte. Der Versuch an einer universellen Zeichensprache bestehend aus abstrahierten Zeichen, Formeln und geometrischen Formeln erinnert durchaus an Höhlenmalerei und ist ohne Anleitung nur schwer zu greifen. Während die Bilder auf inhaltlicher Ebene schwer zugänglich sind, bleiben sie auf ästhetischer Ebene eher anspruchslos. Das vom Künstler als “Standart” betitelte, ambitionierte Projekt erklärte er später für gescheitert.

Ich aber komme aus Dresden (Check it out man, check it out)
Lücke TPT: Signale – falsch gestellt (1972)

In den 1970er Jahren ist er Teil der Gruppe “Lücke”, zu der auch Steffen Terk und Wolfgang Opitz zählten. In diesem Kontext entstehen Super-8-Filme, die für mich als Besucher vor allem aus dokumentarischer Sicht interessant waren und das Dresden der 1970er zeigen. Es entstehen bis zur Auflösung der Gruppe 1976 auch gemeinsame Bilder, die in ihrer Formsprache stark am A.R. Pencks “Standart” erinnern. Ende der 1970er beginnt er darüber hinaus Musik aufzunehmen. Sein “Archaik-Fri-Jazz” wird erst nach der Ausbürgerung veröffentlicht. Er bringt es auf über 50 Platten – eine große Auswahl davon ist in der Ausstellung zu hören. Wie in seiner Malerei lebt auch die Musik von Spontanität und Improvisation, die technische Ausführung spielt gegenüber Idee und Impetus eine untergeordnete Rolle. Kaum verwunderlich ist es also, dass in Zusammenarbeit mit seinen Weggefährten Kunst in Form von “Happenings” einfach passierte. Keine Frage, dieser Mann war von einem bemerkenswerten Schaffensdrang beseelt.

Ich aber komme aus Dresden (Check it out man, check it out) ist entsprechend bunt, abwechslungsreich und kurzweilig, gibt einen Einblick in das Schaffen eines umtriebigen Tausendsassas, der mit Ideen scheinbar überquoll. Dekorative Malerei ist hier ebenso wenig zu erwarten wie eingänge Musik. So schlicht die Bilder A.R. Pencks oftmals wirken, so schwer zu knacken sind sie allerdings auch. Auf sich allein gestellt, kann sich hier schnell Ratlosigkeit – aber keine Langeweile – breit machen. Wer hier wirklich “verstehen” will, der sollte viel Zeit mitbringen – oder gleich einen geführten Besuch der Ausstellung in Betracht ziehen.

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Ich aber komme aus Dresden (Check it out man, check it out) ist noch bis zum 12.01.2020 im Albertinum zu sehen. Weitere Informationen.