In der Rezension zu Mads Ananda Lodahls Debütroman Sauna gehe ich der Frage nach, wie authentisch und schonungslos der Autor die Themen Trans-Identität, queere Liebe, Zugehörigkeit und gesellschaftliche Normen erzählt. Die Beziehung zwischen Johan und Williiam zeigt eindrücklich, wie komplex der Kampf zwischen Individualität, Geschlechtsangleichung, binären Rollenbildern und dem Wunsch nach Anerkennung sein kann. Sauna verhandelt queere Sexualität, die Spannung zwischen Anderssein und Community, Machtasymmetrien innerhalb einer jungen Beziehung und das politische Potenzial von Trans-Erfahrungen. Der Roman ist zeitgemäß, direkt und voller Konflikte – ein ehrliches Porträt queerer Realität in Kopenhagen.
- Allgemein
- Allgemein
Früher ist vorbei: Von hier aus weiter von Susann Pásztor
In Von hier aus weiter erzählt Susann Pásztor von Trauer, Verlust und der schwierigen Frage, wie man im Alter noch einmal neu anfangen kann. Marlene, deren Partner sich für einen selbstbestimmten Tod entschieden hat, bleibt mit Wut und Leere zurück. Doch Freundschaft, unerwartete Begegnungen und ein stiller Roadtrip öffnen ihr einen Weg aus der Erstarrung. Der Roman zeigt behutsam, wie Nähe entsteht, wenn man sie nicht sucht, und wie ein Neuanfang selbst im dunkelsten Moment möglich werden kann – warm, leise und ganz ohne Kitsch.
- Allgemein
Leben im Stream: Tiny House von Mario Wurmitzer
In Tiny House zeigt Mario Wurmitzer, wie Social-Media-Logiken, neoliberale Selbstvermarktung und politische Abgründe ineinandergreifen. Emil, verhinderter Literat und Influencer wider Willen, stolpert durch eine Welt aus Marketingblasen, rechtsradikalen Netzwerken und absurden Startup-Modellen. Zwischen Tiny-House-Siedlung, viralen Streams und dem dubiosen Bezahldienst PayNice entfaltet sich eine maximal unterhaltsame, treffende Satire auf das heutige Österreich. Wurmitzer nimmt die Gegenwart mit spitzer Feder auseinander – klug, sarkastisch und erschreckend nah an realen Dynamiken.
- Allgemein
Notfallkontakte von Esther Becker
In Notfallkontakte zeigt Esther Becker erzählerische Bandbreite: vierzehn kurze Texte zwischen Urbanität, Melancholie und feministischer Haltung. Ihre Sprache hat Witz und Ernst, die Struktur manchmal Bruch. Besonders stark: die titelgebende Erzählung – zart, präzise, formbewusst. Beckers Band verbindet Privates und Politisches zu klarem, gegenwärtigem Erzählen. Eine gelungene, vielfältige Sammlung moderner Kurzprosa.
- Allgemein
Aus der Zeit: Dius von Stefan Hertmans
In Dius von Stefan Hertmans begegnen sich ein Kunstphilosoph und sein genialer Student in einer ungewöhnlichen Freundschaft. Der Roman spielt zwischen Universität und flämischer Landschaft und verhandelt Themen wie Kunst, Mentorschaft, Zeit und Selbstsuche. Hertmans erzählt leise, reflektiert und poetisch – ein Künstlerroman über das Spannungsfeld zwischen Denken und Schaffen, Theorie und Leben.
- Allgemein
Nicht nur für Fans: Gratis Umarmungen von Philipp Röding
In seinem Erzählband Gratis Umarmungen verbindet Philipp Röding lakonischen Humor mit scharfer Gesellschaftsbeobachtung. Zwischen urbaner Einsamkeit, körperlicher Routine und absurden Sehnsüchten erkundet er die fragile Balance von Nähe und Distanz. Elf Erzählungen – von filmisch verdichteten Miniaturen bis zu provokanten Alltagsmomenten – spiegeln die Unruhe einer Generation zwischen 30 und 40. Rödings Sprache bleibt kühl, pointiert und überraschend zärtlich. Gratis Umarmungen, erschienen bei Luftschacht, beweist: Gegenwartsliteratur kann zugleich unbequem, unterhaltsam und berührend sein.
- Allgemein
Nicht nichts: Dr. No von Percival Everett
In Dr. No zeigt Percival Everett erneut seine Meisterschaft im Spiel zwischen Philosophie, Satire und Popkultur. Der Mathematiker Wala Kitu ist Experte für das Nichts – und gerät in einen absurden Thriller, der Bond-Parodie, Wissenssatire und Gesellschaftskritik zugleich ist. Everetts Roman ist klug, witzig und überraschend ernst: ein literarisches Experiment über Rassismus, Macht und die Leere im Zentrum der modernen Welt.
- Allgemein
Mangel an Liebesfähigkeit: Medulla von Verena Günther
Verena Günthers Roman Medulla beleuchtet das Scheitern moderner Beziehungen und den Konflikt zwischen Mutterschaft, Selbstbestimmung und gesellschaftlichen Erwartungen. Die Rezension analysiert Aufbau, Figuren und Themen wie Liebesfähigkeit, Identität und Freiheit. Günthers erzählerischer Minimalismus und der wiederholte Beziehungszerfall ihrer drei Berliner Paare machen Medulla zu einem radikalen, aber auch ermüdenden Beitrag zur Gegenwartsliteratur. Eine kritische Buchbesprechung über Nähe, Entfremdung und weibliche Selbstbestimmung.
- Allgemein
An Oral History of Atlantis von Ed Park
Ed Park liefert mit An Oral History of Atlantis sechzehn Stories voller Originalität, Witz und riskanter Konzepte. Nicht jeder Text überzeugt, doch die Highlights funkeln in kristallinen Höhen.
- Allgemein
Anamnese: Botanik des Wahnsinns von Leon Engler
Botanik des Wahnsinns von Leon Engler ist ein autobiografischer Roman über Familie, psychische Erkrankungen und die Frage nach Normalität. Engler verbindet persönliche Erfahrungen mit psychologischem Fachwissen und zeichnet ein eindringliches Bild von Generationstraumata, Depression und gesellschaftlichen Erwartungen. Der Roman ist keine leichte Lektüre, aber aufschlussreich, ehrlich und lesenswert.