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    Selbstversunken: Nicht mein Ding von Jami Attenberg

     Nicht mein Ding von Jami AttenbergSingle-Frauen Ende 30 in New York sind in Film, Fernsehen und Literatur ziemlich allgegenwärtig. Jami Attenbergs Roman Nicht mein Ding trifft den Sweet Spot zwischen sarkastischem  Witz und Melancholie, den man oft in diesen Erzählungen findet, macht den Stoff aber dennoch zu ihrem ganz eigenen Ding. Kurzweilig, nachdenklich, am Puls der Zeit erzählt ihre Protagonistin Andrea davon, wie schwer es sein kann, sich selbst treu zu bleiben, ohne dabei völlig in sich selbst zu versinken.

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    Amazing Things Are Happening Here von Jacob M. Appel

    Amazing Things Are Happening HereAmazing Things Are Happening Here: Einen besseren Titel hätte Jacob M. Appel für seinen Erzählband nicht finden können. Und das liegt gewiss nicht nur an den teils wundersamen Ereignissen, die seine Texte schildern – sondern kann auch als treffende Beschreibung des Leseerlebnisses gelten. Appel ist ein fantastischer Band gelungen – möge sich doch ein hiesiger Verlag finden, der dieses Talent auch deutschen Lesern näherbringt.

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    Berührungspunkte: Der Sprung von Simone Lappert

    Der Sprung Simone LappertEine unbequeme Vorstellung: Während man gemütlich auf der Couch sitzt, springt woanders womöglich jemand von einem Dach. Die Gleichzeitigkeit allmöglicher Dinge, von Glück und Tragik, ist schwer miteinander in Einklang zu bringen. Simone Lappert macht mit ihrem überaus gelungenen Roman Der Sprung genau dies und findet Berührungspunkte in oberflächlich betrachtet voneinander losgelösten Leben.

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    Meine drei wichtigsten Bücher 2019

    bret easton ellis fabian hischmannDer Start ins Bücherjahr 2019 war etwas verhalten. Nur wenig hat mich im ersten Halbjahr so wirklich von den Socken gehauen. Zurückblickend ein Trugschluss. Denke ich daran, welche drei Bücher ich aus diesem Jahr uneingeschränkt empfehlen würde, fallen mir doch einige ein. Besonders das Herbstprogramm hatte viele Perlen zu bieten.

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    Erste Liebe rostet nicht: Queen July von Philipp Stadelmaier

    Queen July von Philipp StadelmaierManche Menschen lassen einen einfach nicht los, auch nicht, nachdem sie schon lange losgelassen haben. So geht es zumindest Aziza, deren erste Liebe sie seit achtzehn Jahren wie ein Phantom heimsucht. An einem heißen Sommer in Paris erzählt sie der in einer Badewanne sitzenden und Weißwein schlürfenden July davon. Philipp Stadelmaiers Queen July ist ein luftig leichter, kurzer Roman über die Liebe und die Freundschaft.

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    Der ganz normale Wahnsinn: Die Weihnachtsgeschwister von Alexa Hennig von Lange

    Die WeihnachtsgeschwisterAlexa Hennig von Lange hat für ihren Roman Kampfsterne viel Aufmerksamkeit bekommen letztes Jahr. Ihr vielstimmiges 80er Jahre BRD-Gesellschaftsportrait ist ein rasant erzählter Text, der sich zum Ende hin zu überschlagen drohte. Ihr neuer, halb so langer Roman Die Weihnachtsgeschwister bietet weniger dramaturgischen Bombast und ist für mich ihr bester Text seit dem Debütroman Relax und der Novelle Woher ich komme. Er passt natürlich auch wunderbar in die Jahreszeit.

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    Irgendetwas, das hält: Entfernte Geliebte von Maike Wetzel

    Entfernte Geliebte von Maike WetzelMaike Wetzels dritter Erzählband Entfernte Geliebte versammelt Geschichten aus den letzten neunzehn Jahren. Einige davon waren in ihren ersten beiden Sammlungen Anfang des Jahrtausends erschienen, andere in anderen Formaten und weitere waren bisher unveröffentlicht. Ein stringenter thematischer Faden sollte also nicht zu erwarten sein, doch sind sie unverkennbar von einer Hand. Und das obwohl die achtzehn Texte in Länge, Sujet, Stil und Qualität viel Variation bieten. An manchen Stellen schwingt sie sich dabei zu Höhen auf, die nur wenige erklimmen können.

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    Mutterlos in Berlin: Levi von Carmen Buttjer

    Mutterlos in Berlin: Levi von Carmen ButtjerCarmen Buttjers Romandebüt Levi verhandelt Erwachssenwerden und Verlust auf flott erzählte und durchaus eigenwillige Weise. Der elfjährige Levi hat seine Mutter verloren, klaut ihre Urne während der Beerdigung und streunert verloren durch Berlin. Orientierung geben ihm dabei zwei väterliche Freunde,- das Verhältnis zum eigenen Vater ist distanziert und wird durch einen schlimmen Verdacht zusätzlich belastet.

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    Vater, Mutter, Kim von Eivind Hofstad Evjemo

    Vater, Mutter, Kim von Eivind Hofstad EvjemoDer Roman Vater, Mutter, Kim des Norwegers Eivind Hofstad Evjemo beginnt damit, dass am 29. Juli 2011 eine Familie in ihr Wohngebiet zurückkehrt. Doch ein Sitz bleibt leer, die Tochter “war von etwas mitgerissen worden, was sich außerhalb dieser Idylle befand” (14). Dieses Etwas geschah am 22. Juli 2011, als der Rechtsterrorist Anders Behring Breivik 77 Menschen in den Tod riss, viele davon Jugendliche, die an einem Zeltlager der Jugendorganisation AUF teilnahmen. Evjemos ruhig erzählter Roman über unaussprechlichen Verlust streift dieses grässliche Etwas nur, konzentriert sich stattdessen auf das, was in der Idylle zurückbleibt.

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    Was für ein Theater: Der junge Doktorand von Jan Peter Bremer

    Der junge Doktorand von Jan Peter BremerSeit zwei Jahren warten die Eheleute Greilach in einer Mühle irgendwo in der Einöde auf den Besuch eines jungen Doktoranden. Es scheint, als hätten sich die Erwartungen an diesen Besuch ins Unermessliche gesteigert. Und als der Mann dann endlich auftaucht, geht natürliches alles schief. Der junge Doktorand von Jan Peter Bremer liest sich wie ein Theaterstück. Es ist eine kurzweilige Komödie über zwei Menschen, die sich eigentlich nur noch auf den Geist gehen und aneinander vorbeireden.