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    Momentaufnahmen: Daddy von Emma Cline

    Daddy von Emma ClineEmma Clines Erzählband Daddy weckt schon ob des Titels gewisse Assoziationen. Es könnte um alte weiße Männer gehen, den männlichen Blick, Sex. Und daran orientieren sich auch die meisten Besprechungen, die bisher dazu erschienen sind. Die eigentlichen Texte sind jedoch weitaus vager und ambivalenter, als es der Titel vorgibt. Unaffektiert und schnörkellos erzählt Cline aus Momenten der Leben von Männern und Frauen, die wie zufällig herausgegriffen wirken.

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    Furcht und Sehnsucht: Filthy Animals von Brandon Taylor

    Filthy Animals von Brandon TaylorBrandon Taylors Kurzgeschichtenband Filthy Animals ist weniger wild, als es der Titel andeutet. Die teilweise miteinander verzweigten Geschichten spielen im kühlen Midwesten der USA und zeigen in kristallklarer, ruhiger Sprache überwiegend Menschen in ihren 20ern, deren Sehnsüchte ins Leere zu laufen scheinen. Eine große Unverbundenheit eint die Protagonisten dieser elf Erzählungen.

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    Wiener Eigentümlichkeiten: Mein Lieblingstier heisst Winter von Ferdinant Schmalz

    Mein Lieblingstier heisst WinterEs hängt was schief in der Alpenrepublik des Kanzler Kurz: Zumindest Mein Lieblingstier heisst Winter von Ferdinant Schmalz wie auch Ameisenmonarchie im Frühjahr und der dieser Tage erschienene Roman Salonfähig von Elias Hirschl zeichnen ein grausiges Bild der Wiener Gesellschaft: Opportunismus und Mauschelei regieren die Protagonisten dieser Bücher. Mein Lieblingstier heisst Winter ist der vielleicht radikalste Text dieser Gruppe, eine inhaltlich wie sprachlich vertrackte Satire über geheime politische und wirtschaftliche Machenschaften, in deren Zentrum sich unverhofft der treffend benannte Franz Schlicht wiederfindet.

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    Deeskalation im Wald: Herren der Lage von Castle Freeman

    Herren der LageIn den Wäldern Vermonts ist eigentlich nicht viel los. Sheriff und “Abreger” Lucien muss ab und an die Lage entspannen, wenn irgendwo der Haussegen schief hängt. Nun kommt aber Ärger aus der Stadt, der ihm über den Kopf zu wachsen droht. Castle Freemans Herren der Lage ist ein launiger Kleinstadt-Krimi voller Männer, die öfter mal auf ihre Frauen hören sollten.

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    Das Licht in der Dunkelheit: Junge mit schwarzem Hahn von Stefanie vor Schulte

    Junge mit schwarzem HahnStefanie vor Schulte ist ein düsteres Märchen mit strahlend hellem Stern geglückt. Junge mit schwarzem Hahn ist eine Heldenreise durch ein nicht näher benanntes Land in einer nicht näher benannten Zeit. Feudale Strukturen lassen auf das Mittelalter schließen, der schwarze – sprechende – Hahn auf ein Sagenreich. Es ist zumindest eine dunkle, empathielose Zeit, Junge mit schwarzem Hahn eine Warnung, dass man durch Empathielosigkeit nicht zurückfallen möge in eine Gesellschaft, in der jeder nur das eigene Überleben sieht.

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    „Die Trauer ist ein nasses Gefühl im Magen“: Auszeit von Hannah Lühmann

    Auszeit Hannah LühmannHannah Lühmanns Debütroman Auszeit ist ein Buch der Innerlichkeit. Henriette ist an einem toten Punkt in ihrem Leben angekommen: Nachdem sie ihr aus einer Affäre entstandenes Kind abgetrieben hat, fällt sie in ein Depression, die sie alles in Frage stellen und ratlos zurück lässt. Mit ihrer besten Freundin Paula fährt sie in eine einsame Waldhütte in Bayern, um aus dieser Auszeit heraus neu zu sich zu finden. Die Reise ist, wie sich am Ende herausstellt, eine Schleife.

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    Johnny Would You Love Me If My Dick Were Bigger von Brontez Purnell

    Johnny Would You Love Me If My Dick Were Bigger von Brontez PurnellMan kennt es ja eher von Hip Hop Alben, dass dort der Hinweis “Parental Advisory Explicit Content” steht. Dieser ziert auch den Band Johnny Would You Love Me If My Dick Were Bigger von Brontez Purnell – völlig zurecht. Nach einer erstmaligem Bekanntschaft mit dem Amerikaner durch dessen aktuellen und sehr zu empfehlenden Erzählband 100 Boyfriends wollte ich nochmals von dieser verbotenen Frucht kosten. Johnny Would You Love Me If My Dick Were Bigger aus dem Jahre 2017 schlägt unverkennbar in dieselbe Kerbe, ist aber nicht ganz so gut, wie das spätere Werk.

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    Ewig leben, Abschiednehmen: Malagash von Joey Comeau

    MalagashSunday schreibt einen Computervirus, weil ihr Vater an Krebs stirbt: In dem Virus soll er als Geist für immer weiterleben. Malagash, benannt nach dem Ort, an dem die Handlung spielt, ist aber kein Science-Fiction Roman. Vielmehr ist der Virus eine Art coping mechanism für den Teenager, der Abschied von seinem Vater und dadurch auch von der selbtbezogenen Weltsicht der Jugend nehmen muss.

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    Das Große im Kleinen spiegeln: Es muss schreien, es muss brennen von Leslie Jamison

    Es muss schreien, es muss brennenWenn Leslie Jamison auf dem Buchumschlag in eine Linie mit Joan Didion und Susan Sontag gereiht wird, sind das ziemlich große Schuhe, in denen die Amerikanerin aber wunderbar laufen kann. Es muss schreien, es muss brennen liest sich weniger aufregend als der Titel dieses Essaybandes, aber genau das ist seine Stärke. Ein Glanzstück der teilnehmenden Beobachtung, furchtlos darin, für den Leser unentdeckte Ecken der Welt genauso auszuleuchten wie die Schreibende selbst.