• Allgemein,  Kritik,  Literatur

    Aufziehende Schatten: Der Lichthof von Hartmut Lange

    Der Lichthof Hartmut LangeEtwas bleibt verschlossen: Hartmut Lange veröffentlicht mit Der Lichthof vier Novellen, in denen seine Protagonisten keinen rechten Zugang zu ihrer Gegenwart haben und etwas überrumpelt werden von einem Wandel, der sich unergründlich an sie schleicht. Die keine hundert Seiten fassende Sammlung schließt mit einem autobiografischen Text, in dem der Autor von Weihnachten im Jahr 1944 erzählt. Auch hier ist er sich als Kind nicht gänzlich bewusst, was um ihn herum geschieht. Es sind fünf konzentriert erzählte Texte, die aus ihrer Ruhe heraus eine Atmosphäre der Unbehaustheit heraufbeschwören.

  • Allgemein,  Kritik,  Literatur

    Irgendwas bleibt: Nach Mattias von Peter Zantingh

    Nach Mattias von Peter ZantinghPeter Zantingh stellt seinem Roman Nach Mattias ein Zitat von Glen Hansard voran, in dem dieser sinngemäß schreibt, dass er hofft, dem Planeten mehr Gutes als Schlechtes zu hinterlassen. Genau um diese Frage dreht sich der episodenhafte Text dann auch: Acht Menschen erzählen aus ihrem Leben, nachdem ein junger Mann namens Mattias gestorben ist. Welchen Fußabdruck er in diesen Existenzen hinterlassen hat, ist mal mehr, mal weniger deutlich.

  • Allgemein,  Kritik,  Literatur

    Das kalte Dorf: Power von Verena Güntner

    verena güntner powerKerze sucht nach Power: So metaphorisch aufgeladen könnte man die Handlung von Verena Güntners Roman prägnant zusammenfassen. In Power erzählt sie von dem vorpubertären Mädchen Kerze, das sich auf die Suche nach dem entlaufenen Hund (Power) einer einsamen, älteren Dorfbewohnerin macht, um die sich sonst keiner weiter kümmert. Die Suche gestaltet sich schwierig, aber Kerze kennt keine Angst und hält immer alle Versprechen. Schließlich beschwört sie damit eine handfeste Krise in ihrem Dorf herauf.

  • Allgemein,  Kritik,  Literatur

    Selbstversunken: Nicht mein Ding von Jami Attenberg

     Nicht mein Ding von Jami AttenbergSingle-Frauen Ende 30 in New York sind in Film, Fernsehen und Literatur ziemlich allgegenwärtig. Jami Attenbergs Roman Nicht mein Ding trifft den Sweet Spot zwischen sarkastischem  Witz und Melancholie, den man oft in diesen Erzählungen findet, macht den Stoff aber dennoch zu ihrem ganz eigenen Ding. Kurzweilig, nachdenklich, am Puls der Zeit erzählt ihre Protagonistin Andrea davon, wie schwer es sein kann, sich selbst treu zu bleiben, ohne dabei völlig in sich selbst zu versinken.

  • Allgemein,  Kritik,  Literatur

    Amazing Things Are Happening Here von Jacob M. Appel

    Amazing Things Are Happening HereAmazing Things Are Happening Here: Einen besseren Titel hätte Jacob M. Appel für seinen Erzählband nicht finden können. Und das liegt gewiss nicht nur an den teils wundersamen Ereignissen, die seine Texte schildern – sondern kann auch als treffende Beschreibung des Leseerlebnisses gelten. Appel ist ein fantastischer Band gelungen – möge sich doch ein hiesiger Verlag finden, der dieses Talent auch deutschen Lesern näherbringt.

  • Allgemein,  Kritik,  Literatur

    Berührungspunkte: Der Sprung von Simone Lappert

    Der Sprung Simone LappertEine unbequeme Vorstellung: Während man gemütlich auf der Couch sitzt, springt woanders womöglich jemand von einem Dach. Die Gleichzeitigkeit allmöglicher Dinge, von Glück und Tragik, ist schwer miteinander in Einklang zu bringen. Simone Lappert macht mit ihrem überaus gelungenen Roman Der Sprung genau dies und findet Berührungspunkte in oberflächlich betrachtet voneinander losgelösten Leben.

  • Allgemein,  Kritik,  Literatur

    Meine drei wichtigsten Bücher 2019

    bret easton ellis fabian hischmannDer Start ins Bücherjahr 2019 war etwas verhalten. Nur wenig hat mich im ersten Halbjahr so wirklich von den Socken gehauen. Zurückblickend ein Trugschluss. Denke ich daran, welche drei Bücher ich aus diesem Jahr uneingeschränkt empfehlen würde, fallen mir doch einige ein. Besonders das Herbstprogramm hatte viele Perlen zu bieten.

  • Allgemein,  Kritik,  Literatur

    Erste Liebe rostet nicht: Queen July von Philipp Stadelmaier

    Queen July von Philipp StadelmaierManche Menschen lassen einen einfach nicht los, auch nicht, nachdem sie schon lange losgelassen haben. So geht es zumindest Aziza, deren erste Liebe sie seit achtzehn Jahren wie ein Phantom heimsucht. An einem heißen Sommer in Paris erzählt sie der in einer Badewanne sitzenden und Weißwein schlürfenden July davon. Philipp Stadelmaiers Queen July ist ein luftig leichter, kurzer Roman über die Liebe und die Freundschaft.

  • Allgemein,  Kritik,  Literatur

    Der ganz normale Wahnsinn: Die Weihnachtsgeschwister von Alexa Hennig von Lange

    Die WeihnachtsgeschwisterAlexa Hennig von Lange hat für ihren Roman Kampfsterne viel Aufmerksamkeit bekommen letztes Jahr. Ihr vielstimmiges 80er Jahre BRD-Gesellschaftsportrait ist ein rasant erzählter Text, der sich zum Ende hin zu überschlagen drohte. Ihr neuer, halb so langer Roman Die Weihnachtsgeschwister bietet weniger dramaturgischen Bombast und ist für mich ihr bester Text seit dem Debütroman Relax und der Novelle Woher ich komme. Er passt natürlich auch wunderbar in die Jahreszeit.

  • Allgemein,  Kritik,  Literatur

    Irgendetwas, das hält: Entfernte Geliebte von Maike Wetzel

    Entfernte Geliebte von Maike WetzelMaike Wetzels dritter Erzählband Entfernte Geliebte versammelt Geschichten aus den letzten neunzehn Jahren. Einige davon waren in ihren ersten beiden Sammlungen Anfang des Jahrtausends erschienen, andere in anderen Formaten und weitere waren bisher unveröffentlicht. Ein stringenter thematischer Faden sollte also nicht zu erwarten sein, doch sind sie unverkennbar von einer Hand. Und das obwohl die achtzehn Texte in Länge, Sujet, Stil und Qualität viel Variation bieten. An manchen Stellen schwingt sie sich dabei zu Höhen auf, die nur wenige erklimmen können.