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    Der Fuchs der hat das Herz gestohlen: Restlöcher von Lena Müller

    Restlöcher von Lena MüllerIrgendwie denkt man bei einem Titel wie Restlöcher doch zwangsläufig an vom Kohleabbau gerissene Furchen, offene Wunden in der Landschaft. Man denkt an strukturschwache Regionen, an Wandel. Doch Lena Müllers Debütroman bricht diese Erwartungen, die Löcher sind eher in den Menschen zu finden, die sie beschreibt: Es ist eine Erzählung über sehnende Menschen und die Widersprüchlichkeiten, die in ihnen wohnen.

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    Ein Mönch schmollt: Aus der Mitte des Sees von Moritz Heger

    Aus der Mitte des Sees von Moritz HegerWie endgültig und zwingend sind die Lebensentscheidungen, die wir treffen? Es scheint jedenfalls nichts entschlossener und endgültiger, als sich in jungen Jahren für ein Leben als Mönch in einer Benediktinerabtei zu entscheiden. So haben es jedoch Lukas und sein bester Freund Andreas entschlossen, bis letzterer nach sechzehn Jahren dann doch etwas anderes wollte. Und so ist Aus der Mitte des Sees von Moritz Heger der Bericht eines gekränkten Mönchs, der durch Andreas’ Weggang nun selbst ins Zaudern kommt.

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    Schlechte Menschen: Ameisenmonarchie von Romina Pleschko

    Ameisenmonarchie von Romina Pleschko RezensionRomina Pleschkos Debütroman Ameisenmonarchie nimmt uns mit in ein Wiener Wohnhaus. Der satirische Ensemble-Roman begleitet episodenhaft die Leben von fünf Bewohnern des Hauses. Der Blick hinter die Tür entblättert die banalen Leben durchweg unsympathischer Menschen. Es offenbart sich ein ziemlich zynisches Menschenbild, das den Menschenekel glücklicherweise mit bissigem Humor auffängt.

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    “Einen Kern, den hast du nicht?”: Kurzes Buch über Tobias von Jakob Nolte

    Kurzes Buch über TobiasKurzes Buch über Tobias von Jakob Nolte ist ein Roman, über den man viele Worte verlieren könnte. Es ist die fiktive Biografie eines ganzen Lebens, erzählt auf 231 Seiten in achtundvierzig Kapiteln, fragmentarisch und detailversessen zugleich. Es ist ein wundersames wie wunderbares Buch, in Inhalt und Form so unberechenbar rätselhaft, so witzig und traurig wie das Leben selbst.

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    Dies Land ist nicht dein Land: How Much of These Hills Is Gold von C Pam Zhang

    How Much of These Hills is GoldDer amerikanische Westen ist heute eher der Ort, an dem Technologie-Träume wahr werden, mit an den Horizont reichenden Großstädten, zusammengehalten mit einem endlosen Gewirr aus Highways. Doch parallel zu diesem hochtechnologisierten Westen existiert noch der mythische Westen, eine Erzählung, die essentiell ist für Amerikas Verständnis von sich selbst. How Much of These Hills Is Gold von C Pam Zhang erzählt die Geschichte vom großen Goldrausch aus anderen Augen und bereichert den Corpus revisionistischer Western um eine Perspektive, die in die Geschichtsschreibung kaum bzw. spät aufgenommen wurde.

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    Mit Gammelhai und Cowboyhut: Kalmann von Joachim B. Schmidt

    KalmannEin etwas anderer Krimi in einem etwas anderen Land: Kalmann ist der selbsternannte Sheriff von Raufarhövn, einem kleinen Kaff irgendwo in Island. Als Robert McKenzie, so etwas wie der Wirtschaftsmogul des sterbenden Fischerdorfes, spurlos verschwindet, kommt Aufregung ins verschlafene und klirrend kalte Örtchen. Ungewollt im Zentrum des Trubels steht Kalmann – der uns auf seine ganz eigene Art der Ortsbegehung mitnimmt.

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    Meine drei besten Bücher des Jahres 2020

    Bücher des Jahres 2020Urgh, was für ein Jahr. Aber wenn es etwas gibt, dass man ohne Einschränkungen in gewohnter Form machen konnte, dann lesen. Und ich muss sagen: Es war ein gutes Lesejahr, überraschend auch. Denn ich kann mich nicht daran erinnern, in der Vergangenheit derart viele Erzählbände in den Programmen deutschsprachiger Verlagshäuser gesehen zu haben. Überraschend ist auch, zumindest für mich persönlich, dass ich keinen dieser Bände zu meinen drei besten Büchern dieses Jahres gewählt habe.

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    Get crazy in this town: Wenn rot kommt von Petra Piuk und Barbara Filips

    Wenn rot kommtWenn rot kommt: Wer jetzt an den Weihnachtsmann denkt, liegt gar nicht mal so falsch. Doch hat der, öhm, Roman, den uns die Autorin Petra Piuk und Fotografin Barbara Filips vorlegen, nur jahreszeitlich mit dem Fest der Liebe zu tun. Rot spielt hier auf rot und schwarz wie in Roulette an. Es ist eine Las Vegas-Geschichte, erzählt in Worten und rot gefilterten Schwarz-Weiß-Fotografien, die so ziemlich genau das liefert, was man sich unter einer Las Vegas-Geschichte so vorstellt.