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Oder lieber Instantnudeln? Richtig gutes Essen von Junko Takase

Richtig gutes Essen von Junko TakaseAuf dem Esstisch werden schnell kulturelle und auch individuelle Unterschiede klar. Für deutsche Lesende ist Richtig gutes Essen von Junko Takase ein Blick in japanische Essgewohnheiten, die weit mehr als Sushi und Instant-Ramen bieten. Eingebettet ist der schlanke Roman in die Arbeitswelt beziehungsweise ein Dreiecksgeflecht, das sich erstaunlich undramatisch, aber eben auch nicht ohne Konsequenzen entwirrt.

Richtig gutes Essen ist keine plotgetriebene Erzählung – vielmehr ein kleines Sittengemälde im gegenwärtigen, urbanen Japan. Los geht es mit einer Essenseinladung, die Protagonist Nitani aber ablehnt – er ernährt sich fast ausschließlich von Instant-Ramen und was auch immer es essfertig im nächsten Konbini gibt. Die Essensaufnahme ist ihm eher lästig, es sei denn, sie wird zum Feierabend mit Bier gereicht. Da geht er mit seiner Kollegin Oshio regelmäßig in verschiedene Restaurants, man isst, trinkt und lästert ein bisschen. Oshio ist eine moderne Frau, wenig hausfraulich, dafür auf ihre Karriere fokussiert.

Anders ist Ashikawa, die sie geradezu verachtet. Auch Nitani hat eher wenig Respekt für sie – obwohl sie sich daten. Ashikawa arbeitet ohne Ambition und gewissermaßen mit Dienst nach Vorschrift. Sie verschwindet regelmäßig als Erste aus dem Büro, geht Kundenterminen aus dem Weg – sie ist in solchen Situationen verunsichert, außerdem plagen sie häufig Kopfschmerzen. Soll sie doch eine Tablette nehmen, denkt sich Oshio. Bei den Kollegen, besonders den Teilzeitkräften, ist sie jedoch sehr beliebt. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass die beruflich eher Unbeholfene leidenschaftlich bäckt und man daher ihr die eher mittelmäßige Performance nachsieht.

Richtig gutes Essen von Junko Takase präsentiert uns also zwei unterschiedliche Frauenbilder und ebenso unterschiedliche Verständnisse von Ernährung – einerseits als sozialer Kitt, der Körper und Geist nährt, sowie als zeitfressende Notwendigkeit. Eigentlich würde Nitani besser zu Oshio passen – doch, fast unweigerlich, scheint es recht leidenschaftslos auf ein Leben mit Ashikawa hinauszulaufen.

Richtig gutes Essen ist ein mit enger Fokalisierung auf Nitani und Oshio erzählter Text, der zweifelsfrei einen interessanten Einblick in das Leben Japans Millennials gibt und Manierismen der Arbeitswelt fein beobachtet. Nicht alles ist dabei konsequent ausgeführt – beispielsweise ist der sonst eher spröde Nitani ein geflissentlicher Leser; seine Liebe zur Literatur neben seinem seltsamen Verhältnis zum Essen Marker seiner Individualität, der aber nicht so ganz eingelöst wird. Aber vielleicht ist es auch das: Im Funktionieren der Arbeitswelt wird anderes schnell ausgeblendet – es sei denn, natürlich, man bringt süßes Gebäck.

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Richtig gutes Essen von Junko Takase ist bei Dumont erschienen.

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