• Allgemein,  Kritik,  Literatur

    Jemand eigenes sein: Schöner als überall von Kristin Höller

    Schöner als überall von Kristin HöllerIn Kristin Höllers Debütroman Schöner als überall fremdelt ein junger Erwachsener mit seinen Freunden, seiner gutbürgerlichen Herkunft und vor allem mit sich selbst. Ein betrunkener Schabernack mit seinem besten Freund führt ihn überstürzt aus München einige hundert Kilometer zurück in sein Heimatdorf. Wie in Coming of Age Romanen üblich, führt diese Reise durch große Verunsicherung zu einer Selbstverortung. Ein gelungenes, wunderbar erzähltes Debüt.

  • Allgemein,  Kritik,  Literatur

    „Früher schien alles möglich zu sein“: Alle wollen was erleben von Fabian Hischmann

    Alle wollen was erleben von Fabian HischmannWird das Leben jemals so schön, wie man es sich einmal ausgemalt hat? Manchmal schon, aber selten von Dauer. In Fabian Hischmanns exzellentem Erzählband Alle wollen was erleben wohnt viel Melancholie, aber auch großer Trost. Die fundamentale Einsamkeit des Individuums in westlichen Gesellschaften wiegt er auf mit den Möglichkeiten, die sich heute bieten, immer wieder belauert von der großen Frage, ist es jemals genug?

  • Allgemein,  Dresden,  Essay

    Hallo Dekadenz: Vom Weingut zur Rennbahn

    Tag des offenen Weinguts RadebeulDie schönen Dinge im Leben sollte man wiederholen. Nachdem der Tag des offenen Weinguts im letzten Jahr trotz ungewöhnlich frischer Temperaturen zauberhaft war, konnte es an diesem von der Sonne geküssten 24. August nur zurück in die Radebeuler Weinberge gehen. Wein und Flammkuchen ahoi! Am Sonntag folgte der mondänen Freizeitgestaltung zweiter Teil – es ging zum Pferderennen.

  • Allgemein,  Film,  Kritik

    Once Upon a Time in… Hollywood

    Once Upon a Time in… HollywoodEs war einmal: Quentin Tarantino erzählt uns mit seinem neuesten, neunten Film Once Upon a Time in… Hollywood ein Märchen, das einen bestimmten Moment in der Traumfabrik einfangen soll. Wie Django Unchained und Inglourious Basterds re-imaginiert Tarantino hier die Geschichte. Im Vergleich zu diesen beiden Filmen ist Once Upon a Time in… Hollywood eine weitaus luftigere und lustigere Angelegenheit geworden. Es ist zwar kein neues Pulp Fiction, zeigt den Regisseur aber in Topform.

  • Allgemein,  Kritik,  Musik

    Froh zu sein bedarf es wenig: Music for XXX von Dwig

    Music for XXX von DwigDer Produzent Dwig eröffnet sein neues Album Music for XXX mit einem als Kanon gesungenen Volkslied: “Froh zu sein bedarf es wenig / und wer froh ist / ist ein König.” Königliche Glücksmomente, mit wenigen Mitteln angerührt in der Produzentenküche: Irgendwo zwischen Downtempo, Deep House und Ambient perlen die neun Stücke des Albums aus den Boxen. Dass Dwig das Glück dieser Welt weniger in materiellen Dingen als in den Armen einer geliebten Person verortet, zeigen nicht nur die geschmeidigen Töne, die er kredenzt, auch der Albumtitel sowie die Bildsprache des Vinyl-Doppelalbums deuten es an: So zieren die einzelnen Platten eine venezianische Gondel, Blüten und Bienen.

  • Allgemein,  Kritik,  Literatur

    Ach, wie schön ist Venedig: Der Löwe, die Stadt und das Wasser von Cees Nooteboom

    Der Löwe, die Stadt und das Wasser von Cees NooteboomLetztes Jahr besuchte ich Venedig für fünf Tage. Ich kam als Skeptiker und ging als Bekehrter. Die Schönheit dieser Stadt ist kaum zu fassen, ganz gleich wie lange man verloren auf das Wasser der Lagune schaut oder wie viele Fotos man knipst. Als ich im Programm des Suhrkamp Verlags dann dieses Frühjahr Cees Nootebooms Venedig: Der Löwe, die Stadt und das Wasser erblickte, musste ich das Buch haben. Eine Wiederkehr an diesen Sehnsuchtsort, nur würde mich kein Flugzeug dahin bringen, sondern Nootebooms schöne Sätze.

  • Allgemein,  Dresden,  Essay

    Schuhe aus, zurücklehnen, genießen: Palais Sommer 2019

    Bror Gunnar JanssonDresdens schönster Freiluft Salon hat seit vergangenen Freitag endlich wieder offen. Der Palais Sommer ist die schöngeistige Sommerunterhaltung, in die man nach einem verbrutzelten Tag am See gleiten kann. Und in diesem Jahr hat Petrus die Wiese hinter dem Japanischen Palais am Freitag nochmal ordentlich gewässert – so saftig grün war sie letztes Jahr ja nicht – nur um dem Eröffnungskonzert am Freitag einen angenehm lauen Sommerabend zu schenken.

  • Allgemein,  Dresden,  Kritik

    Ostrale 2019: sums¡

    Ostrale 2019Zwei Jahre nach dem letzten Stelldichein am Messering hat die zur Biennale reformierte Ostrale nun in der historischen Tabakfabrik f6 in Striesen eine neue Bleibe gefunden. Schon vor der Eröffnung der zentralen Ausstellung haben seit dem 11. Juni dezentrale Ausstellungsräume im gesamten Stadtgebiet geöffnet. Unter der Überschrift sums¡ gibt es bis zum 1. September also im ganzen Stadtgebiet wieder zeitgenössische Kunst zu bestaunen – die zentrale Ausstellung allein bringt so viel Kunst unter einem Dach zusammen, dass es die geistige Aufnahmefähigkeit an ihre Grenzen bringt.

  • Allgemein,  Kritik,  Literatur

    “Jetzt war er ratlos”: Vierzehn Tage von Holger Brüns

    Vierzehn Tage Holger Brüns“Er hatte Urlaub, ganze vierzehn Tage noch. Niemand wartete auf ihn” (9): Holger Brüns Novelle Vierzehn Tage nimmt den Leser mit in den Berliner Sommer und in das Leben eines Mannes, der nicht viel mit sich anzufangen weiß. Mitte Vierzig, schwul, single und die große Frage: Was kommt noch? Klingt schwermütig, ist es aber nicht. Vierzehn Tage ist ein nachdenkliches, melancholisches Buch, aber voller Momente des Lichts.

  • Allgemein,  Kritik,  Literatur

    “Mir verschwimmen die Pixel”: Wenn ich blinzle wird es besser von Christoph Strolz

    Wenn ich blinzle wird es besserDer Luftschacht Verlag hat im Frühjahr bereits einen hervorragenden Erzählband veröffentlicht. Mit Wenn ich blinzle wird es besser ist eine zweite Sammlung im aktuellen Programm. In sieben Texten zeigt Christoph Strolz strauchelnde Ich-Erzähler, die der Welt um sich herum fremd geworden sind – etwas scheint abgekoppelt. Eine existenzialistische Einsamkeit weht durch diese Erzählungen, die viel von den Miseren unserer Zeit einfangen.