Zwei komplizierte Liebesgeschichten, erzählt in einem fast telegrafisch reduzierten Stil: In Uppercut von Maja Iskra erinnert sich eine in Wien lebende Frau an ihre Kindheit und Jugend in Belgrad, während sie eine gleichsam drängende wie schwebende Liebelei in der Gegenwart navigiert – eine gelungene Erzählung über die Koordinaten des Lebens in widrigen Umständen.
Eine Kindheit im Belgrad der 90er Jahre: Wie ist es, im Kriegsgebiet aufzuwachsen? Es ist eine raue Umgebung, wenngleich in Uppercut der Krieg selbst nur ein Hintergrundrauschen ist. Brutal geht es trotzdem zu. In der Schule prügelt und hänselt man sich. Zuhause schreit der Vater. Mit der Clique hängt man in verlassenen Betonfabriken rum. All das liegt für die Erzählerin in der Vergangenheit – heute sitzt sie in Wiener Cafés und Clubs, trinkt und unterhält sich mit Faris. Und doch ist alles noch präsent. Nie verweilt die Erzählung lange in der Gegenwart, alles triggert Erinnerungen, an Schulfreunde und -feinde, an den schroffen Vater. Lieblosigkeit scheint das Leben zu prägen, doch statt zu verzweifeln, wird man tough. Auch die Erzählerin prügelt sich, sie lässt sich nicht verarschen.
Das macht sie vielleicht auch etwas unnahbar. Zwischen ihr und Faris gibt es eine Anziehung, der sich beide über Jahre nicht entziehen können. Immer wieder trifft man sich in Clubs, besäuft sich. Vielleicht tanzt man ein bisschen, aber viel passiert nicht. Denn Faris hat eigentlich eine Freundin.
„Ich bin das Mädchen mit einer verlassenen Betonfabrik in der Brust, einer Betonfabrik, die niemals jemand niederreißen wird (86).“
Sprunghaft, schroff und soghaft ist diese Erzählung. Nie defätistisch oder wehleidig. Und gerade deshalb hat sie Durchschlagskraft – all die Schicksale, die durch die Erinnerungen an Belgrad driften, und die Melancholie zweier Menschen, die magnetisch verbunden zu sein scheinen, aber sich dieser Anziehung nicht so ganz ergeben können.
Uppercut hat kein Wort zu viel, keines zu wenig. Und es ist schon das zweite Glanzstück, das Zsolnay neben Hirschls Schleifen im Frühjahrsprogramm hat. Chapeau an Maja Iskra und ihren Verlag!
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