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Keine Lust auf Sushi: Eddi von Andreas Martin Widmann

Rezension zu Eddi von Andreas Martin WidmannEddi hat Frust: Sie soll mit ihren Eltern für einige Jahre nach Japan ziehen, nachdem der Mutter Machtmissbrauch vorgeworfen wurde an dem Sportinternat, an dem sie unterrichtet und Eddi ebenfalls zur Schule geht. Es ist nicht der erste Umzug im Leben der 15-Jährigen. Nun bleiben ihr nur noch ein paar Tage, bis sie mal wieder alle Zelte abbrechen muss.

Andreas Martin Widmanns Coming-of-Age-Roman Eddi begleitet die Protagonistin über die wenigen Tage, die ihr noch in Deutschland bleiben. Ihre Eltern sind schon nach Japan geflogen, um alles vorzubereiten. Sie hat sozusagen noch eine Gnadenfrist in dem Sportinternat nahe Neubrandenburgs, in dem sie und ihre Eltern seit einigen Jahren leben. Aber eine Schülerin hat Vorwürfe gegenüber der Mutter erhoben. Bevor sich ein Skandal entwickelt, streichen die Eltern proaktiv die Segel und ziehen nach Japan weiter.

Eddi hat in der Sache natürlich kein Mitspracherecht. Und obwohl sie als unsportliche Jugendliche eher fehlplatziert am Sportinternat war, hat sie Freundinnen dort und ist Teil der örtlichen Theatergruppe.

Die letzten Tage will sie nutzen, um sich zu verabschieden. Und wer weiß, vielleicht fällt ihr ja noch ein Ausweg ein – denn auf einen Umzug nach Japan hat sie absolut keine Lust.

Doch anstatt ein paar ruhige Tage im Internat zu verbringen, das aufgrund der Ferien ziemlich verlassen ist, durchlebt sie eine Odyssee. Denn sie hat sich ausgesperrt und muss nun schauen, wie sie zurück in die Wohnung kommt. Sie stolpert – oder flüchtet – von einer Episode zur nächsten.

Eddi ist ein kurzer, unterhaltsamer Text über eine Heranwachsende, der es an Halt und Selbstbestimmung fehlt. Ihr Wochenende allein wird zu einer Probe der Selbstbehauptung, aus der sie mit einer neuen Frisur und einem Einblick in die Widersprüchlichkeiten der Erwachsenenwelt herausgeht. Eddi (re-)agiert in den Situationen, in die sie stolpert, immer wieder zwischen zögerlich und entschlossen zugleich: Da ist die Hilfe, die sie von Erwachsenen erwartet, und die Erkenntnis, dass sie eigene Lösungen finden und eigene Entscheidungen treffen muss – hier formt sich eine starke Persönlichkeit.

Widmanns Roman ist ein kurzer, unterhaltsamer Text, der das Rad nicht neu erfindet. Sympathisch.

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Eddi von Andreas Martin Widmann ist bei Weissbooks erschienen.

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