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Konzert-Abend beim Palais Sommer 2020

brthr palais sommer 2020Was wäre der Dresdner Sommer ohne den Palais Sommer? Lauschige Abende voller Entdeckungen in Dresdens schönstem Freiluftsalon gehören zur Jahreszeit wie die Fahrt zum Strand. Schön, dass Corona wenigstens diesem Festival keinen Strich durch die Rechnung gemacht hat – wenngleich in diesem Jahr nur 1.000 Besucher je Veranstaltung zugelassen sind. Am Konzept hat sich wenig geändert – Klavierabende, Konzerte, Filme, Yoga und andere Schöngeistigkeiten stehen noch bis Ende August im Programm.

Abgesehen davon, dass der Palais Sommer umsonst und draußen ist, schätze ich die Entdeckungen, die er mir regelmäßig bietet. Letztes Jahr schenkte er meinen Ohren das Vergnügen, mit Bror Gunnar Jansson Bekanntschaft zu schließen. Auch sonst stolpert man in Genüsse, die man sonst eher selten gezielt ansteuert. Die einzigen Klavierkonzerte meines Lebens habe ich zumindest an faulen Sommernächten im Garten des Japanischen Palais besucht. Nachdem ich am Eröffnungswochenende den lieblichen Americana von Standard Crow Behavior, eine Deutsch-Amerikanisches Trio, lauschen konnte, dieses mir aber trotz guter Unterhaltung weniger im Gedächtnis blieb, sodass ich besagten Bandnamen soeben nachschlagen musste, war der gestrige Konzertabend an einem schwül-heißen Augusttag ein nachhaltigeres Vergnügen, das in der Erweiterung meiner Plattensammlung mündete.

Gleich drei Singer-Songwriter-Formationen sollten am 1. August die Bühne betreten. Alle drei einte, dass sie sich sehr glücklich schätzten, endlich wieder vor Publikum spielen zu dürfen. Das Running-Order hatte man wohl nach Größe der Formation beschlossen. Den Anfang bestritt also Awkward i, ein niederländischer Liedermacher. Ein Mann und seine Gitarre: Klingt in der Regel nach bedeutungsschwangerer Musik. Aber der Name des Projektes zeigt das Augenzwinkern bereits an. Selbstironisch plauderte er über seine Songs, in denen es auch schon mal um eine Pornodarstellerin geht.

Den zweiten Teil des Abends bestritt das deutsche Duo BRTHR. Gewappnet mit Bass, Gitarre und Drummaschine spielten die beiden einen herrlich verspulten Blues,- warm, umarmend, mit eher gesäuseltem Gesang und franzigen Gitarren, alles gut abgehangen und eher langsam. Es war ein Sound, von dem man nicht gewusst hatte, dass er einem noch im Plattenregal fehlt. Die Entscheidung, den Merch Stand zu besuchen und den Geldbeutel zu öffnen, fiel nach den ersten zwei Songs. Zum Ende des Konzerts glitt der Sound in konventionellere Sphären, balancierte zwischen Blues und Country, die verspult-bassige Funkyness der ersten beiden Tracks verlor sich etwas. Auf Platte klingt es auch nicht ganz so idiosynkratisch wie live, dennoch ein guter Kauf, der bei Abenden auf dem Balkon einige Runden drehen wird.

Den Abschluss des Abends bescherte die dänische Band Sundays. Die servierte gefälligen Folk-Pop und wollte gleich im ersten Track das Publikum zum Mitsingen animieren. Das funktionierte nicht sehr gut. Lautmalerische Refrains lauerten in vielen Songs (uh und ahs sind gemeint), das Gefühl, der Sänger findet sich ziemlich geil, beschlich mich zwischenzeitlich. Es war Musik für den Hintergrund, angenehm, ohne einnehmend zu sein. Wie Vanille-Eis. BRTHR war an diesem Abend mein Schoko-Eis mit Schokostückchen.

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Zum aktuellen Programm des Palais Sommers.