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    Beton in der Brust: Uppercut von Maja Iskra

    Rezension zu Uppercut von Maja IskraZwei komplizierte Liebesgeschichten, erzählt in einem fast telegrafisch reduzierten Stil: In Uppercut von Maja Iskra erinnert sich eine in Wien lebende Frau an ihre Kindheit und Jugend in Belgrad, während sie eine gleichsam drängende wie schwebende Liebelei in der Gegenwart navigiert – eine gelungene Erzählung über die Koordinaten des Lebens in widrigen Umständen.

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    Fehlgeschlagene Verbindungen: Foto auf Anfrage von Simon Chevrier

    Rezension: Foto auf Anfrage von Simon ChevrierJeder will was, aber wenig gibt’s: In Foto auf Anfrage von Simon Chevrier driftet ein hübscher Endzwanziger durch das Toulouse des Jahres 2020. Die Pandemie droht, das Leben einzufrieren. Dabei ist es schon ziemlich kühl: Eine Beziehung ist zu Ende, das Lehramtsstudium nach dem Bachelor praktisch abgebrochen und der Vater stirbt. Das Foto eines wie selbstverständlich zur Kamera schauenden jungen Mannes, der an seinem eigenen großen Zeh lutscht, zieht ihn in den Bann, wird zur Manie, zur Identifikation und Aufgabe – herauszufinden, wer dieser junge Mann ist – und wer man selbst sein könnte.

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    Wilde Wege – Sie wollen uns erzählen von Birgit Birnbacher

    Sie wollen uns erzählen von Birgit Birnbacher Birgit Birnbacher zeigt sich als Autorin mit sozialpädagogischem Impuls. In ihrem letzten Roman Wovon wir leben widmete sie sich dem Wert der Arbeit, im neuen Text Sie wollen uns erzählen rückt Neurodivergenz im Zusammenhang mit Schule und Mutter-Kind-Beziehungen in den Fokus: Oz gilt trotz guter Noten als schwer „beschulbar“, seine Mutter hat ein unstetes Nervenkostüm und die Oma ist plötzlich aus dem Krankenhaus verschwunden. Es ist ein Roman über Umwege und das, was zählt.

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    Gott der Ziegen: Eradication von Jonathan Miles

    Rezension zu Eradication von Jonathan MilesDie invasivste Art ist immer noch der Mensch. In Jonathan Miles‘ hervorragendem Roman Eradication wird ein von Trauer gezeichneter Mann auf eine einsame Insel geschickt, um das isolierte Eiland vor einer Ziegenplage zu befreien. Es ist eine Art Abenteuerroman, eine Robinson-Crusoe-Geschichte, eine Umwelterzählung und ein Traumatext.

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    Oder lieber Instantnudeln? Richtig gutes Essen von Junko Takase

    Richtig gutes Essen von Junko TakaseAuf dem Esstisch werden schnell kulturelle und auch individuelle Unterschiede klar. Für deutsche Lesende ist Richtig gutes Essen von Junko Takase ein Blick in japanische Essgewohnheiten, die weit mehr als Sushi und Instant-Ramen bieten. Eingebettet ist der schlanke Roman in die Arbeitswelt beziehungsweise ein Dreiecksgeflecht, das sich erstaunlich undramatisch, aber eben auch nicht ohne Konsequenzen entwirrt.

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    Die Straße führt nach innen: Grüne Welle von Esther Schüttpelz

    Rezension zu Grüne Welle von Esther SchüttpelzEine Frau verfängt sich abends nach dem Kinobesuch in einer Umleitung, die sie an die Orte ihres Studiums vorbeiführt, aber letztlich nicht zur Autobahn, die sie raus aus der Stadt zu Mann und Haus bringen würde. Immer wieder sagt sie sich: Bei der nächsten roten Ampel dreh’ ich um. Aber sie hat, was die meisten Autofahrer eigentlich gerne immer hätten und der Romantitel schon verrät – Grüne Welle.

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    Alles wird Nichts wird Alles: Schleifen von Elias Hirschl

    Schleifen von Elias HirschlBis alle Differenz zu nichts wird: Schleifen ist das vorläufige Meisterstück von Elias Hirschl, der hier Sprachwissenschaft und Mathematik, Geschichte und uferlose Imagination virtuos verwebt. Schleifen ist ein aufregender Text über Sprache und Sinn, man erinnert sich an Cormac McCarthys Stella Maris oder auch an Don DeLillo, zutiefst philosophisch und unterhaltsam zugleich, ein unheimlich komplexes Werk, das sich seinen Lesern aber nicht verschließt – etwas, das, seien wir mal ehrlich, extrem selten in der deutschsprachigen Literatur geworden ist.

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    Die großen Fragen des Lebens: Paula Modersohn-Becker & Edvard Munch

    Die großen Fragen des Lebens: Paula Modersohn-Becker & Edvard Munch Zwei Künstler beschäftigen sich um die vorletzte Jahrhundertwende mit den Fragen des Lebens in ihren Bildern – begegnet sind sie sich aber wahrscheinlich nie. Das Albertinum zeigt die Werke von Paula Modersohn-Becker und Edvard Munch, dem weltbekannten Norweger und der gebürtigen Dresdnerin. Leben und Tod, Jugend und Alter, Mensch und Natur sind die Sujets beider Künstler, übersetzt in unterschiedliche Formsprachen – still, einfach in der Form und gedeckt in der Farbwahl die Dresdnerin; dynamisch, direkt, farbenfroh der Norweger. Die großen Fragen des Lebens: Paula Modersohn-Becker & Edvard Munch ist eine abwechslungsreiche Schau mit faszinierenden Arbeiten – auch ohne Munchs bekanntestes Werk.