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    Das komatöse Land: Der ehemalige Sohn von Sasha Filipenko

    Der ehemalige SohnWir schreiben das Jahr 1999: Zisk ist ein ganz normaler Jugendlicher, der weniger Lust hat, Cello fürs Konservatorium zu lernen als mit seinen Freunden Fußball zu spielen und zu Konzerten zu gehen. Aber er wächst in einem nicht ganz normalen Land auf. Sasha Filipenkos Roman Der ehemalige Sohn nimmt uns mit in die belarussische Hauptstadt Minsk und zeichnet ein graues Bild eines totalitären Staates, in dem sich wenig bewegt. Man kann sogar zehn Jahre ins Koma fallen, ohne etwas zu verpassen.

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    Ein Sommer für die Ewigkeit: Hard Land von Benedict Wells

    Ein Sommer für die Ewigkeit: Hard Land von Benedict WellsGrady, Missori, 1985: Der 15-jährige Sam hat es nicht leicht. Er hat keine Freunde und seine engste Verbündete ist sterbenskrank. Benedict Wells neuer Roman Hard Land ist eine Ode an die Jugend und eine Hommage and die Texte, die sich ihrer widmen. Ein schöner Text über einen aufregenden Sommer, über den Aufbruch eines Jungen, der sich aufmacht, ein Mann zu werden.

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    Ein Mönch schmollt: Aus der Mitte des Sees von Moritz Heger

    Aus der Mitte des Sees von Moritz HegerWie endgültig und zwingend sind die Lebensentscheidungen, die wir treffen? Es scheint jedenfalls nichts entschlossener und endgültiger, als sich in jungen Jahren für ein Leben als Mönch in einer Benediktinerabtei zu entscheiden. So haben es jedoch Lukas und sein bester Freund Andreas entschlossen, bis letzterer nach sechzehn Jahren dann doch etwas anderes wollte. Und so ist Aus der Mitte des Sees von Moritz Heger der Bericht eines gekränkten Mönchs, der durch Andreas’ Weggang nun selbst ins Zaudern kommt.

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    Mit Gammelhai und Cowboyhut: Kalmann von Joachim B. Schmidt

    KalmannEin etwas anderer Krimi in einem etwas anderen Land: Kalmann ist der selbsternannte Sheriff von Raufarhövn, einem kleinen Kaff irgendwo in Island. Als Robert McKenzie, so etwas wie der Wirtschaftsmogul des sterbenden Fischerdorfes, spurlos verschwindet, kommt Aufregung ins verschlafene und klirrend kalte Örtchen. Ungewollt im Zentrum des Trubels steht Kalmann – der uns auf seine ganz eigene Art der Ortsbegehung mitnimmt.

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    Neun Lebewohl: Abschiedsfarben von Bernhard Schlink

    Abschiedsfarben Bernhard Schlink RezensionNach vielen Jahren ein Wiedersehen mit Bernhard Schlink: Obwohl mir Der Vorleser als Schüler vor inzwischen schrecklich langer Zeit unheimlich gefiel, verlor ich ihn aus den Augen. Jetzt ein neuer Erzählband, Abschiedsfarben, der die Frage aufkommen lässt: Warum eigentlich? Routiniert erzählt, fasziniert der Band mit dem nuancierten Facettenreichtum, dem er sich dem Abschiednehmen nähert.

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    “Wir tranken. Dann tranken wir noch was”: Alles muss ganz anders werden von Jörg Fauser

    Alles muss ganz anders werden von Jörg FauserJörg Fauser hatte gerade die Feier zu seinem 43. Geburtstag verlassen, als er in den frühen Morgenstunden des 17. Juli 1987 auf der A 94 tödlich verunglückte. Alkohol, frühe Morgenstunden, Unglück – das passt zu seinen zwischen 1975 und 1979 entstandenen Erzählungen, die jetzt gesammelt unter dem durchaus programmatisch zu verstehenden Titel Alles muss ganz anders werden bei Diogenes erschienen sind. Es ist eine Neuvorstellung eines Autors, der heute kaum noch geläufig ist, aber sicher Spuren in der deutschsprachigen Literatur hinterließ, beispielsweise als Vorbild für Schriftsteller wie Benjamin von Stuckrad-Barre.

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    Aufziehende Schatten: Der Lichthof von Hartmut Lange

    Der Lichthof Hartmut LangeEtwas bleibt verschlossen: Hartmut Lange veröffentlicht mit Der Lichthof vier Novellen, in denen seine Protagonisten keinen rechten Zugang zu ihrer Gegenwart haben und etwas überrumpelt werden von einem Wandel, der sich unergründlich an sie schleicht. Die keine hundert Seiten fassende Sammlung schließt mit einem autobiografischen Text, in dem der Autor von Weihnachten im Jahr 1944 erzählt. Auch hier ist er sich als Kind nicht gänzlich bewusst, was um ihn herum geschieht. Es sind fünf konzentriert erzählte Texte, die aus ihrer Ruhe heraus eine Atmosphäre der Unbehaustheit heraufbeschwören.

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    Irgendwas bleibt: Nach Mattias von Peter Zantingh

    Nach Mattias von Peter ZantinghPeter Zantingh stellt seinem Roman Nach Mattias ein Zitat von Glen Hansard voran, in dem dieser sinngemäß schreibt, dass er hofft, dem Planeten mehr Gutes als Schlechtes zu hinterlassen. Genau um diese Frage dreht sich der episodenhafte Text dann auch: Acht Menschen erzählen aus ihrem Leben, nachdem ein junger Mann namens Mattias gestorben ist. Welchen Fußabdruck er in diesen Existenzen hinterlassen hat, ist mal mehr, mal weniger deutlich.