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    Alles wird Nichts wird Alles: Schleifen von Elias Hirschl

    Schleifen von Elias HirschlBis alle Differenz zu nichts wird: Schleifen ist das vorläufige Meisterstück von Elias Hirschl, der hier Sprachwissenschaft und Mathematik, Geschichte und uferlose Imagination virtuos verwebt. Schleifen ist ein aufregender Text über Sprache und Sinn, man erinnert sich an Cormac McCarthys Stella Maris oder auch an Don DeLillo, zutiefst philosophisch und unterhaltsam zugleich, ein unheimlich komplexes Werk, das sich seinen Lesern aber nicht verschließt – etwas, das, seien wir mal ehrlich, extrem selten in der deutschsprachigen Literatur geworden ist.

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    Die 3 Bücher des Jahres 2025

    Die 3 Bücher des Jahres 2025Das Lesejahr 2025 hatte einige gute Bücher und nur wenig Schlechtes zu bieten. Aber als ich diese alljährliche Übung ausführte, fiel mir auch auf: Ganz oben, an der Spitze des Lesevergnügens, drängen sich nur wenige Bücher wirklich auf. Da gab es schon stärkere Jahrgänge. Bedauerlich auch, dass es kein Buch eines deutschsprachigen Autors in meine Top 3 geschafft hat, wenngleich Mascha Unterlehbergs Wenn wir lächeln den Sprung nur knapp verpasst hat. Ihr originell erzähltes Debüt ist dennoch der vielleicht stärkste Coming-of-Age-Roman des Jahres.

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    Früher ist vorbei: Von hier aus weiter von Susann Pásztor

    Rezension zu Von hier aus weiter von Susann PásztorRolf ist tot und Marlene findet sich in einer defekten Toilettenkabine eingeschlossen, während die Trauerfeier beginnt. Ein Slapstick-Moment öffnet Susann Pásztors tragikomischen Roman Von hier aus weiter, der sich um ein ernstes Thema dreht: Wie weitermachen, wenn der Partner gestorben ist und man eigentlich mit ihm gehen wollte? Woher die Kraft nehmen, spät im Leben einen Neuanfang zu finden? Freundschaft ist die Antwort, die die Autorin in Von hier aus weiter Lesenden auf diese Fragen präsentiert.

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    Leben im Stream: Tiny House von Mario Wurmitzer

    Rezension zu Tiny House von Mario WurmitzerEmil ist verhinderter Literat und lebt in einem Tiny House als Marketinginstrument: Denn seine Existenz dort wird gestreamt. Auf sozialen Medien hat er viele Follower. Aber es ist nur die erste Station von vielen eher abwegigen und doch sehr gegenwärtigen Berufen, die er in Mario Wurmitzers aktuellem Roman ergreift: Wie in einem Social-Media-Feed stolpert er von einem suggested content zum nächsten, könnte man sagen, und verfängt sich dabei in neoliberal-rechtsradikalen Kreisen. Eine maximal unterhaltsame Satire auf die aktuellen Verhältnisse.

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    Aus der Zeit: Dius von Stefan Hertmans

    Rezension Dius von Stefan HertmansAnton ist Dozent und Doktorand der Kunstphilosophie an einer Universität in der flämischen Region Belgiens. Einer seiner Studenten sticht heraus – Egidius De Blaeser (genannt Dius) ist selten anwesend, etwas provokant und ein genialer Künstler. Unvermittelt steht er vor Antons Tür, bietet ihm einen ruhigen Arbeitsraum in einem abgelegenen Dorf an – und seine Freundschaft. Dius von Stefan Hertmans ist ein Roman über eine unkonventionelle Freundschaft und die Kunst.

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    Nicht nur für Fans: Gratis Umarmungen von Philipp Röding

    Rezension zu Gratis Umarmungen von Philipp Röding„die ungeheure Gleichzeitigkeit von allem, das ist schon was“: Dieser letzte Halbsatz schließt Philipp Rödings Erzählband Gratis Umarmungen mit einem Gefühl von Wunder, von Möglichkeiten, mit einer staunenden Ambivalenz und damit auch weitaus versöhnlicher als das Gros der insgesamt elf Erzählungen, die er uns in seiner ersten Veröffentlichung seit 20XX vor fünf Jahren präsentiert. Denn in den vorangehenden zehn Erzählungen werden die gratis Umarmungen, symbolisch gesprochen, von seinen Figuren – alle ungefähr zwischen 30 und 40 Jahren – nicht angenommen.

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    Mangel an Liebesfähigkeit: Medulla von Verena Günther

    Medulla von Verena Günther„Medulla“ bedeutet wörtlich Mark – zumindest im medizinischen Bereich. Symbolisch betrachtet referenziert es das Innerste oder das Wesentliche oder einfach das Selbst. Verena Günthers Roman Medulla schärft das Verständnis des Begriffs nicht zwingend. Man kann aber festhalten, dass die sechs Personen, die sie porträtiert, sehr mit sich selbst beschäftigt sind. Ihre Innerlichkeit, ihr Kern, wird dennoch selten scharf – vielleicht liegt es am Umbruch, in dem sie sich befinden. Vielleicht liegt da aber auch der Kern der Krisen, denen Lesende hier beiwohnen.

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    An Oral History of Atlantis von Ed Park

    Rezension: An Oral History of AtlantisDer Amerikaner Ed Park präsentiert in An Oral History of Atlantis sechzehn Stories auf knapp zweihundert Seiten, besessen von schräger Originalität, Witz und kühnen Konzepten. Er zeigt sich als Autor mit eigener Stimme, der keine riskanten Ideen scheut. Das bedeutet auch, dass manche Texte flach fallen – während andere in kristallinen Höhen singen.