Allgemein,  Kritik

Baggersee in Brandenburg: The Three of Us von Richard Kranzin

The Three of UsMan kann die Überschrift durchaus als double entendre verstehen: Die zwei jungen Männer Malik und Jakob machen einen Campingausflug in Brandenburg. An einem See erspäht sie ein Dritter, Friedrich. Aus der Beobachtung wird eine sinnliche Begegnung fernab des Berliner Großstandlärms. Richard Kranzins Bildband The Three of Us entblättert in stilvollen Schwarzweiß-Fotografien die Schönheit der Natur und seiner Motive, ohne Worte entfaltet sich ein zeitloses narrativ ungezwungener Jugend.

Ein einsamer Feldweg, zwei junge Männer mit Rucksack und Schlafsack, eine Rast im Grünen, ein niedlicher Esel, ein Birnbaum. Unverfänglich öffnet The Three of Us mit Malik und Jakob. Zwei Freunde, ein Paar? Es knistert, man nascht zwar nicht vom Apfelbaum, aber füttert sich mit Birnen. Eine zweite Perspektive kommt hinzu: Friedrich ist allein in seiner Hütte, dann nackt am See. Dort, an der gegenüberliegenden Seite, erspäht er Malik und Jakob nackt am Ufer, er beobachtet, schwimmt hinüber, gesellt sich zu ihnen und nimmt sie schließlich mit in seine Hütte – ans Lagerfeuer, ins Bett…

The Three of Us ist ein Bildband, der etwas erzählen will. Chronologisch zeigt er die zwei Reisenden, ihre Begegnung und Verführung in der ruhigen, sonst menschenleeren Natur Brandenburgs. Sämtlich in schwarzweiß geschossen, entfalten die Bilder einen aus der Zeit gefallenen, narrativen Sog. Scheinbar in Bewegung, fast beiläufig wirken viele dieser Fotografien, die trotz ihrer Nacktheit nichts Derbes haben, sich eine gewisse Unschuld bewahren. Es ist ein unverfänglich-spielerisches Erleben der Natur und des Anderen, eine Sinnlichkeit fernab der Pornografie. Besonders die Modelle, die Malik und Jakob verkörpern, haben etwas wunderbar Ungestelltes – als würden sie nicht für die Kamera posieren, als seien sie nur zufällig eingefangen. Nur auf den letzten Seiten dröselt der narrative Faden auf und der Band verliert etwas seiner Leichtigkeit in sorgfältig arrangierten Posen. Wenngleich auch diese Fotografien fraglos ästhetisch sind, unterlaufen sie den stimmigen Abschluss des Narrativs.

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The Three of Us von Richard Kranzin ist bei Salzgeber erschienen.

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