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Die 3 Platten des Jahres 2025

Die 3 Platten des Jahres 2025Das musikalische Jahr war, zumindest in meinem Regal, ziemlich abwechslungsreich. Neben Rock, Techno und Dubstep wurde es mit allen Alben von Khruangbin aufgefüllt. Oft gehört wurde auch eine ältere Anschaffung, das unsterbliche Voodoo von D’Angelo, der im Herbst zu früh verstarb. Keine meiner neuen Platten kratzt an dem außerweltlichen Erlebnis, das mir Voodoo jedes Mal – und es waren viele hundert Male über die vergangenen zwanzig Jahre – gibt. Aber: Das ist ohnehin praktisch unmöglich und letztlich keine Aussage über den Genuss, den die folgenden drei Alben bieten.

L.A. Witch – DOGGOD

Die drei Hexen aus L.A. haben ihren dritten Longplayer veröffentlicht und führen ihren schnoddrigen Sound, der irgendwo zwischen Garagenrock und Surfer Rock einzuordnen ist, konsequent fort. Die Stimme von Sängerin und Gitarristin Sade Sanchez erinnert etwas an die süßliche Hope Sandoval, aber mit rotziger Punk-Attitüde. Mit viel Hall unterlegt und verführerisch-besessen klingt ihre Stimme auf „Icicle“, der Single des Albums. Der psychedelisch gefärbte Surf-Rock des eingängigen Debüts wird auf DOGGOD um Goth-Elemente erweitert. Die Attitüde bleibt frech, hat aber psychotische Momente wie das deliröse „I Hunt You Prey“, aber auch folkigere Seiten wie das ungewohnt zärtliche „Lost At Sea“. Konzentriert auf neun Songs und eine halbe Stunde Spielzeit, bietet DOGGOD nicht die sofortigen Ohrwurm-Momente des Debüts, besticht aber durch eine größere Tiefe, die mit jeder Umdrehung mehr in den Bann zieht. Einziges Manko: Der Bass ist auf der Pressung etwas zu dominant.

Irini – Lost In Dreams

Der Produzent, der einst als Traumprinz veröffentlichte und inzwischen so viele Pseudonyme aufweist, dass man zwei Hände braucht, um sie abzuzählen, hat unter dem neuen Namen Irini nach verhältnismäßig längerer Schaffenspause ein sechs Platten umfassendes Magnus Opus veröffentlicht, das wie eine Reise durch die zahlreichen Pseudonyme des Produzenten klingt. Das Album besteht aus einem Mix, der vor einigen Jahren auf SoundCloud veröffentlicht wurde, und sprengt drei Stunden Spielzeit. Von psychotisch-ravigen Momenten (“What Did U Just Give Me”) hin zu Dub Techno (“Gb3am”), Ambient (“Durch Die Nacht” – episch!) und erstmalig auch Drum’n’Bass (“Sweet Charlotte”) ist Lost In Dreams eine musikalische Reise, in der man sich gut verlieren kann. Erstaunlich ist die Qualität – trotz 37 (!) Tracks hat man nie das Gefühl, etwas überspringen zu müssen. Das rechtfertigt dann auch den Preis von rund 130 Euro, der für die Box fällig war.

Margaux Gazur – Blurred Memories

Ein stilles, unscheinbares Album, das zum Highlight des Jahres zählt, ohne sich aufzudrängen. Blurred Memories ist eine Hommage an die vietnamesische Herkunft der Produzentin. Die Stimmen von Freunden, Familie und der Klang der Straßen Hà Nộis haben in den Tracks Eingang gefunden, eine luftige, reduzierte Melange aus diesen Field Recordings und Elektronik. Blurred Memories ist kein Album zum Tanzen, der Bass ist gedämpft und hintergründig wie ein Puls, darüber tummeln sich Geräusche und Melodien, zaghaft, verschwommen und doch einnehmend.

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