Ben Shattucks Die Geschichte des Klangs ist eine zarte, melancholische Novelle über erste Liebe, Verlust und die Kraft von Musik und Erinnerung. Auf nur 100 Seiten erzählt der Autor von Lionel und David, zwei Musikstudenten im frühen 20. Jahrhundert, deren Sommer voller Lieder und Aufnahmen unvergesslich bleibt. Jahrzehnte später tauchen die Tonaufnahmen wieder auf – als Echo einer vergangenen Liebe und eines gelebten Lebens. Shattuck verwebt diese Geschichte mit Annies Perspektive, die über verpasste Chancen und ihr festgefahrenes Leben nachdenkt. Ein stilles, poetisches Buch voller Nachhall, das zeigt, wie prägend Erinnerungen und Entscheidungen sein können.
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Zweiter Frühling: Strandgut von Benjamin Myers
Strandgut ist, wie man es von Autor Benjamin Myers kennt ist, ein schmissig erzählter Unterhaltungsroman über Außenseiterfiguren, die sich nach etwas Licht in ihrem eingegrauten Leben sehnen.
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Ein Vogel möcht ich sein: Psychopompos von Amélie Nothomb
Auf Amélie Nothomb ist Verlass: Wie ein Uhrwerk veröffentlicht sie beinahe im Jahresrhythmus kurze Romane mit selten mehr als 200 Seiten. Mehr braucht sie nicht, destilliert ihre oft ganze Lebensgeschichten umfassenden Erzählungen auf ihre Essenz. Mit Psychopompos legt sie nun einen kurzen, autobiografischen Roman vor – ihr vielleicht persönlichstes Werk. Schließlich ist sie die Protagonistin. In Psychopompos geht es um ihr Aufwachsen als Diplomatentochter, die in Vögeln so etwas wie ihre Seelenverwandten findet und über sie zum Schreiben kommt.
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Scrollen, Schauen, Scheitern: Atavists von Lydia Millet
Atavists von Lydia Millet ist ein vernetzter Storyband über Millennials, Social Media, Ambitionslosigkeit und den brüchigen amerikanischen Traum.
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Wenn Elefanten Politik machen: Das Geschenk von Gaea Schoeters
In ihrer Politiksatire Das Geschenk lässt Gaea Schoeters 20.000 Elefanten durch Berlin marschieren – ein surrealer, aber präzise kalkulierter Zugriff auf Themen wie Naturschutz, Postkolonialismus und demokratische Selbstgefährdung. Die Rezension beleuchtet, wie der Roman mit Medienbildern spielt, Machtmechanismen freilegt und eine ebenso unterhaltsame wie beunruhigende Vision entwirft. Schoeters gelingt damit ein vielschichtiger zweiter Roman, der literarisch klug und politisch brisant ist.
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Ostrale Biennale 025: Never Grey
Die Ostrale Biennale 025 überzeugt mit einer farbenstarken, international besetzten Ausstellung, die multimediale Arbeiten ebenso präsentiert wie eindrucksvolle Skulpturen. Besonders hervorzuheben ist Ran Slavins Installation Radiances, die mit KI, Motion Capture und Dystopie-Themen beeindruckt. Der Rundgang beginnt im Keller der Robotron-Kantine – ein klug gesetzter Einstiegspunkt in eine Schau zwischen Ästhetik, Politik und digitaler Gegenwart. Trotz kleiner Schwächen bei der Vermittlung komplexer Kontexte bleibt die Ausstellung inhaltlich relevant und atmosphärisch dicht. Never Grey ist mehr als ein Titel: ein kuratorisches Statement.
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Freiheit: Eine unvollendete Geschichte im DHMD
Die Ausstellung ‚Freiheit: Eine unvollendete Geschichte‘ im DHMD bietet einen umfassenden Blick auf das Spannungsfeld von Freiheit als politisches Ideal, künstlerisches Motiv und gesellschaftlicher Streitbegriff. Kooperationen mit Museen in Prag, Danzig und Breslau schaffen eine grenzüberschreitende Perspektive. Besonders gelungen: die Mischung aus bildender Kunst, historischen Kontexten und kritischen Leerstellen etwa zur sexuellen Befreiung oder medienkulturellen Vereinnahmung von Freiheit.
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Überwuchert: Stammzellen von Alina Lindermuth
In 'Stammzellen' von Alina Lindermuth wird eine weltweite Krise durch die mysteriöse Krankheit Dendrose ausgelöst, die Menschen allmählich in Bäume verwandelt. Der Roman verknüpft Dystopie, Beziehungsthemen und ökologische Metaphorik. Die Rezension lobt die Grundidee und den gesellschaftlichen Zeitbezug, kritisiert jedoch die übermäßige stilistische Ausarbeitung, den langsamen Erzählfluss und das Ungleichgewicht zwischen Metapher und Handlung. Fazit: Ein im Keim überaus interessanter Text, der in seiner Ausführung jedoch überreif wirkt.
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Die Verzweiflung des Subjekts: Rejection von Tony Tulathimutte
Zwischen Fremdscham, Absurdität und tragischer Selbstauslöschung bewegen sich die Figuren in Rejection. Tony Tulathimutte schreibt gegen den Mythos der Selbstfindung in digitalen Räumen – und lässt seine Protagonist:innen daran zerbrechen. Eine literarische Analyse der Verlorenheit im Zeitalter von Likes, Labels und Livestreams.
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Die Welt entglitt ihm: Crazy Land von Timotheus Ueberall
Crazy Land von Timotheus Ueberall ist ein beinahe fiebriger Text, in dem Protagonist Aki und Setting Wien in einen psychotischen Zustand abgleiten. Ein Abstieg in den Wahnsinn einer haltlosen Gegenwart.