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    In die Magengrube: Brawler von Lauren Groff

    Lauren Groffs Brawler (2026, Riverhead Books) ist eine Kurzgeschichtensammlung mit neun Erzählungen, die weibliche Protagonistinnen in Extremsituationen zeigen – Flucht aus häuslicher Gewalt, Tsunami, sterbende Mutter, familiärer Zerfall. Das verbindende Motiv: abwesende oder überforderte Mütter, deren Kinder sich selbst ermächtigen müssen. Die Titelstory folgt einer Teenagerin, die körperliche Auseinandersetzungen nicht scheut und eine sterbende Mutter pflegt. „What's the Time, Mr. Wolf?" erzählt mit rund 100 Seiten mehrere Jahrzehnte einer Südstaaten-Bankiers-Familie und funktioniert eher als Kurzroman. Geographisch diffuser als der Vorgängerband Florida, thematisch fokussierter. Rezension: schmiertiger.

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    Beton in der Brust: Uppercut von Maja Iskra

    Maja Iskras Uppercut (2026, Zsolnay, dt. Mascha Dabić und Maja Iskra) ist ein autofiktionales Debüt über eine namenlose Ich-Erzählerin, die im Wien der Gegenwart eine schwebende Liebelei mit Faris navigiert, während Erinnerungen an eine Kindheit im Belgrad der frühen 1990er Jahre die Gegenwart überlagern. Der Krieg ist Hintergrundrauschen – die Brutalität des Alltags, in Schule, Familie und Straße, ist es nicht. Sprunghaft, schroff, telegrafisch reduziert: Iskra macht Verhärtung als Überlebensstrategie zum erzählerischen Prinzip. Kein Wort zu viel, keines zu wenig. Rezension: schmiertiger.

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    Fehlgeschlagene Verbindungen: Foto auf Anfrage von Simon Chevrier

    Simon Chevriers Foto auf Anfrage (2025, Albino Verlag, dt. Christian Ruzicska) ist ein autofiktionales Debüt, ausgezeichnet mit dem Goncourt du Premier Roman 2025. Ein namenloser Ich-Erzähler driftet 2020 durch Toulouse: Grindr, Escort, abgebrochenes Studium, Tod des Vaters. Peter Hujars Fotografie „Daniel Schook Sucking Toe" wird zur Obsession und zum Tor in die queere New Yorker Bohème der 1980er, die eine andere Pandemie ausgelöscht hat. Kein Coming-out-Roman, kein AIDS-Text – sondern queere Genealogie, faktual erzählt, ohne Pathos. Schnörkellos, ohne kühl zu sein. Rezension: schmiertiger.

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    Wilde Wege – Sie wollen uns erzählen von Birgit Birnbacher

    Birgit Birnbachers Roman Sie wollen uns erzählen (2026, Zsolnay) macht Neurodivergenz nicht nur zum Thema, sondern zum erzählerischen Prinzip: Die Erzählung nimmt Umwege, verschiebt Spannung, springt. Das spiegelt die Innenwelt der Figuren – Oz mit ADHS, seine neurodivergente Mutter Ann – formal wider. Die Stärke des Romans liegt in dieser Konsequenz. Die Schwäche ebenfalls: Nebenhandlungen werden aufgebaut und nicht eingelöst, das Erzähltempo kann holprig wirken. Im Werkvergleich bleibt Wovon wir leben der stärkere Roman. Rezension: schmiertiger.

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    Oder lieber Instantnudeln? Richtig gutes Essen von Junko Takase

    Junko Takases Richtig gutes Essen ist weniger Plot als präzise Beobachtung: ein stilles Sittengemälde, in dem Essen zum sozialen Code wird – mal verbindend, mal ausgrenzend. Zwischen Konbini-Mahlzeiten, Büroalltag und einem unscheinbaren Beziehungsdreieck zeigt der Roman, wie sehr sich Nähe, Status und Lebensentwürfe in scheinbar banalen Routinen ausdrücken.

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    Die Straße führt nach innen: Grüne Welle von Esther Schüttpelz

    Eine Frau verfängt sich abends nach dem Kinobesuch in einer Umleitung, die sie an die Orte ihres Studiums vorbeiführt, aber letztlich nicht zur Autobahn, die sie raus aus der Stadt zu Mann und Haus bringen würde. Immer wieder sagt sie sich: Bei der nächsten roten Ampel dreh’ ich um. Aber sie hat, was die meisten Autofahrer eigentlich gerne immer hätten und der Romantitel schon verrät – Grüne Welle.

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    Klatsch und Tratsch aus Wien: Kastanienallee von Louise K.

    In Kastanienallee entwirft Louise K. ein bissiges Sittenbild der Wiener Oberschicht. Auf einer noblen Allee treffen Anwälte, Ärzte und ein Trafikant aufeinander – verbunden durch Geld, Abhängigkeiten und moralische Grauzonen. In kurzen Kapiteln und wechselnden Perspektiven entfaltet sich eine Gesellschaftssatire, die Klatsch, Gier und soziale Kälte genüsslich seziert. Mit spitzem Ton und Wiener Schmäh zieht der Roman Leser:innen in einen voyeuristischen Sog. Hinter gepflegten Fassaden lauern Missgunst, Ausbeutung und existenzielle Dramen. Kastanienallee liest sich amüsiert und flüssig – und zeigt, wie dünn die Trennlinie zwischen Bürgerlichkeit und Abgrund ist.