Pol Guasch ist katalanischer Dichter, Auf den Händen brennt das Paradies sein zweiter Roman. Er ist schmal, aber dicht. Entrückt von Ort und Zeit, startet und stockt eine multiperspektivische, fragmentierte Erzählung, in deren Zentrum Líton steht. Dieser eröffnet den Roman aus dem Jenseits: Gestorben ist er mit 24. Die Welt, in der er lebte, war verbrannt. Aber auch in einer Hölle wird gelebt und geliebt – vielleicht ist die Freundschaft das Paradies, das auf den Händen brennt.
Líton kommt aus der Stadt, seine Eltern haben Geld und ziehen aufs Dorf. Über dem Tal thront ein Berg, dort ist eine Siedlung. Von der Siedlung aus holen Menschen Rohstoffe aus dem Berg. In der Siedlung wohnt Rita. Sie trifft Líton bei einer wilden Party. Sie werden Freunde in einer hoffnungslosen Welt, gezeichnet von Dürren und Bränden, die Wälder und Dörfer vernichten.
Es wütet nicht nur eine unerbittlich auf die Erde herabbrennende Sonne. Auch eine Krankheit zwischen Männern, die sich lieben. An dieser stirbt Líton.
„Líton hört nicht auf zu lächeln, und ihr tanzt, ohne den Raum zu vergessen, den ihr erschaffen habt und der sich immer weiter auftut, sich immer weiter verdichtet, wie ein Rohdiamant, den eure Blicke schleifen” (S. 91).
Auf den Händen brennt das Paradies ist unverkennbar das Werk eines Lyrikers, denn dieser Text ist von einer anderen Sensibilität, als es Erzählliteratur üblicherweise ist. Der Text springt zwischen Perspektiven und Zeiten. Das gibt dem Text etwas Unheimliches, Entrücktes. Zeit und Ort sind auch unmarkiert – ist es eine nahe Zukunft in Spanien? Dürren mit weit über 40 Grad gibt es dort schließlich auch schon heute.
Es gibt auch keinen klaren dramaturgischen Bogen – der Text ist episodisch strukturiert und – bei einem Lyriker nicht weiter verwunderlich – in einer sehr dichten Sprache erzählt. So beeindruckend die Sprachbilder mitunter sind, wirkt der Text stellenweise etwas statisch und verharrt in Reflexionen, anstatt durch Handlung Momentum zu generieren. Doch das kann durchaus Programm sein: Welches Vorwärtsmomentum soll es geben in einer resignierten Gesellschaft? Ist das hier die „Letzte Generation”, die spricht?
Auf den Händen brennt das Paradies ist gleichwohl nicht ohne Zentrum: Die in einer wilden Partynacht geborene Freundschaft zwischen Líton und Rita ist sein Anker in einer aus den Fugen geratenen Welt, auch wenn große Teile des Textes die Geschichten beider Personen getrennt voneinander erzählen.
„Vielleicht lachten sie, um sich nicht eingestehen zu müssen, dass sie schon an dem Punkt angelangt waren, an dem die Hoffnung nicht in dem lag, was noch kommen konnte, sondern in dem, was einmal gewesen war” (S. 169).
Doch was will der Text eigentlich erzählen? Er ist ohne Frage unter dem Eindruck der Klimakrise entstanden. Es gibt auch einen klaren Bruch zwischen den jungen Erwachsenen und ihren Eltern, die distanziert und wenig fürsorglich wirken. Ein gewisser Fatalismus hat sich in der Gesellschaft, ob der geradezu apokalyptischen Bedingungen breit gemacht. Was soll man auch machen? Und so erzählt der Text eben von der Liebe und der Freundschaft im Angesicht widriger Umstände – als die Möglichkeit eines Paradieses in der Hölle.
Auf den Händen brennt das Paradies ist ein ambitionierter, ein origineller, aber durchaus auch verkopfter Text, der mehr Geduld erfordert, als es die 180 Seiten erahnen lassen.
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Auf den Händen brennt das Paradies von Pol Guasch wurde von Kirsten Brandt übersetzt und ist bei Wallstein erschienen.
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