• Allgemein

    Herzensbildung in herzlosen Zeiten: Die karierten Mädchen von Alexa Hennig von Lange

    Alexa Hennig von Langes neuer Roman Die karierten Mädchen ist ein Text des Erinnerns: Er erzählt vom Schrecken des Nationalsozialismus abseits der Front und der eigenen Familiengeschichte. Die Hauptfigur des Romans, Klara, ist an der Großmutter der Autorin angelehnt. Die besprach im hohen Alter Kassetten mit ihren Lebenserinnerungen. Die Autorin scheute lang, diesen Fundus aus über 130 Kassetten anzuhören. Gut, dass sie es schließlich getan hat.

  • Allgemein

    Unter Wolken: Tag des Weinguts, Episode V

    So sicher wie es ist, dass die Sonne im Osten aufgeht, so beginnt der Tag des offenen Weinguts auf der Bennostraße 9¾ im improvisierten Weingarten von Frédéric Fourré. Wie beinahe jedes Jahr galten des Weges dem Himmel bange Blicke, dass Zeus des Bacchus Party nicht verregne. Doch irgendwer hatte sein Tellerchen wohl nicht aufgegessen.

  • Allgemein

    Wach bleiben: Laborschläfer von Jochen Schimmang

    Reiner Roloff ist Laborschläfer: Der studierte Soziologe mit gebrochener Erwerbsbiografie ist fast so alt wie die BRD und nimmt an einer Langzeitstudie zum Einfluss des Schlafs auf das Erinnern teil. Es ist also ein Roman des Zurückblickens, aber gewissermaßen auch des Sich-Findens. Jochen Schimmangs Laborschläfer ist auch ein Text, der sich ob seines Gegenstandes wenig überraschend mäandernd und voller Ruhe liest.

  • Allgemein

    Die Gags, die das Leben schreibt: Just by Looking at Him von Ryan O’Connell

    Elliot hat trotz Kinderlähmung erreicht, wovon andere träumen: Mit 35 Jahren lebt er in Los Angeles als Autor für eine erfolgreiche Sitcom und hat einen Partner, der ihn unterstützt. Ryan O’Connells Debütroman Just by Looking at Him erzählt in überaus unterhaltsamem Ton vom Überwinden von Widrigkeiten und davon, wie selbst die großen Träume schal werden können.

  • Allgemein

    Palais.Sommer am Ostra-Dome: NOUK (Support: Tiflis Transit)

    Seit gut einem Jahrzehnt ist der Palais.Sommer die Ausgehkonstante für laue Abende im Juli und August. Auf der Picknickdecke vor herrlicher Elbkulisse konnte man sich es mit einem kühlen Getränk bei Musik, Literatur und Film herrlich bequem machen. Im Frühjahr dieses Jahres dann helle Aufregung: Die Veranstaltungsfläche vor dem Japanischen Palais war neu ausgeschrieben worden und ein Anderer hatte sich das Grundstück mit erstaunlich ähnlichem Konzept gesichert. Nun gibt es den Palais.Sommer also ohne Palais, dafür an gleich drei neuen Standorten.

  • Allgemein

    Transnationale Eliten: Schlachtensee von Helene Hegemann

    Helene Hegemann betrat 2010 die literarische Bühne als 18-jährige Sensation aus der sich ein Plagiatsskandal entwickelte. Ich las dann Strobo statt Axolotl Roadkill. Heute, zwölf Jahre später, ist sie etabliert als Regisseurin und Schriftstellerin. Schlachtensee ist ihr erster Erzählband und meine erste wirkliche Begegnung mit ihr. Ein zwiespältiges Erlebnis: Hegemann hat zweifelsfrei eine eigene Stimme – und das ist schon mal viel wert – aber die einzelnen Stories in Schlachtensee lassen einen oft kalt. Es ist eine Sammlung, die kumulativ funktioniert.

  • Allgemein

    Große Erwartungen: Ambivalenz von Amélie Nothomb

    Dominique ist Sekretärin fernab von Paris, als ein Verehrer versucht, sie im Sturm zu erobern. Sein intensives Werben geht auf. Claude ist ein Mann großer Ambitionen, doch als er Dominique geehelicht und geschwängert hat, erkaltet er. Ambivalenz von Amélie Nothomb ist ein kurzer, geschmeidig erzählter Roman über große Erwartungen und ein grausames Herz.