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    Queer durch die Republik: Rauchzeichen für Rio von Micha Riegel

    Rauchzeichen für Rio von Micha Riegel ist wie viele Debüts ein klassischer Coming of Age Roman, der uns in die 1990er Jahre entführt. Samu ist 16 und in seinem Heimatdorf im ländlichen Bayern unweit Würzburgs nicht gerade beliebt. Er ist anders, seine Homosexualität gewissermaßen ein offenes Geheimnis. Als ihn Max, der jüngste Spross des Bürgermeisters, unverhofft küsst, gerät die konservative Provinzidylle in Schieflage – und Samu muss um sein Leben fürchten. Er verlässt das Dorf in Richtung Frankfurt, wo es ihn, Schockverliebt in Lenni, aber nicht lange hält.

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    Abseits der Welt: Freundschaft und Vergeltung von Helmut Krausser

    Es ist 1965 und der Erzähler von Helmut Kraussers neuem Roman Freundschaft und Vergeltung blickt fasziniert auf den neuen, einen Jahr älteren Mitschüler am Internat. Anthonys Perspektive auf den barschen, wortgewandten Chris Bradshaw erinnert etwas an Nicks auf Jay Gatsby – eine Figur “larger than life”, umhüllt in einer Aura des Geheimnisvollen. Der junge Mann bringt die Dinge am altehrwürdigen, aber finanziell auch ziemlich knappen Internat Raven Hall gehörig durcheinander – Ereignisse, die den blassen Erzähler ein Leben lang beschäftigen sollen.

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    Die 3 Platten des Jahres 2024

    Bevor die letzten Tage des Jahres verstreichen, eine kleine Rückbesinnung auf das, was die meisten Runden auf meinem Plattenteller gedreht hat. Es gab vor allem im ersten Halbjahr viel aufregenden Musik, sodass die Auswahl auf drei Platten gar nicht so einfach war…

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    Die 3 Bücher des Jahres 2024

    Blicke ich auf das Buchjahr 2024 zurück, um die drei überzeugendsten Veröffentlichungen herauszugreifen, kann ich das zweite Halbjahr direkt überspringen. Lediglich Der Schatten einer offenen Tür von Sasha Filipenko ragte aus einem mittelmäßigen Herbst heraus. Die Highlights waren im Frühjahr zu finden. Da wäre James von Percival Everett, das auf vielen Bestenlisten zu finden sein wird; oder Weltalltage von Paula Fürstenberg, ein wunderbares Buch über eine bröckelnde Freundschaft. Elias Hirschl lieferte mit Content einen starken Roman ab, wenn er auch nicht ganz an Salonfähig anknüpfen konnte. Drei richtig gute Bücher. Aber drei weitere haben mir noch besser gefallen. Trophäe von Gaea Schoeters Gaea Schoeters Roman thront über jeder anderen Veröffentlichung…

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    Ein Buch wie ein Scherbenhaufen: Die Trauer der Tangente von Fabian Saul

    In Die Trauer der Tangente von Fabian Saul kommt der Erzähler nach Berlin, um sich zu verabschieden. Er kommt zu spät: Der einstige Weggefährte stirbt ohne Gelegenheit eines Abschieds. Die Erzählung fragmentiert. Die Trauer der Tangente springt zwischen Orten, Zitaten, Zeiten, umkreist und vermeidet im Versuch, zu berühren. Es ist Herzensangelegenheit und Kopfgeburt zugleich.

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    Tierische Fiktion: Autobiografie eines Kraken von Vinciane Despret

    Denkt man an Science-Fiction, denkt man oft an ferne Welten in weiter Zukunft. Autobiografie eines Kraken von Vinciane Despret, einer französischen Wissenschaftsphilosophin, ist jedoch wissenschaftliche Fiktion im wahrsten Sinne: Die mit Zukunftsgeschichten untertitelte Veröffentlichung gibt sich als eine Art Sammelband über Therolinguistik – ein Wissenschaftsfeld, das sich mit nicht-menschlichen Literaturen beschäftigt. Es ist ein faszinierendes, schwer zu kategorisierendes Werk, das Wissenschaft clever mit Philosophie und Literatur verwebt.

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    Sexueller Notstand auf der Alb: Sennentuntschi von Hansjörg Schneider

    Sennentuntschi von Hansjörg Schneider ist ein Theaterstück, das 1976 erstmals aufgeführt wurde und einen kleinen Skandal in der Schweiz auslöste. Diogenes druckt den Text nun erneut ab, sowohl in Hochdeutsch als auch im Dialekt, angereichert um zwei frühe Erzählungen des Autors sowie zwei Nachworte. Das Stück greift eine Sage der Alpenregion auf und balanciert zwischen zotigem Bauernschwank und modernem Theater. Ein großer Spaß, begleitet von berauschender Prosa.

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    Luft: Eine für alle im DHMD

    Nicht sichtbar, aber immer da: Die Luft, die uns umgibt. Das Deutsche Hygiene-Museum Dresden eröffnete am 8. November feierlich die neue Sonderausstellung zu einem essentiellen aber unsichtbaren Thema. Luft erschließen wir uns über Gerüche und Geräusche. Entsprechend wurde die feierliche Eröffnung gestaltet: Eldar Blau unterhält die Gäste mit seinem “Saxo-Didge”, einem Didgeridoo, das wie ein Saxophon anmutet und großen Beifall erntet. Die Einführung der Kuratorinnen Neli Wagner und Nele-Hendrikje Lehmann wird begleitet von Frank Bloem, der Dufterinnerungen von Dresdnern durch den großen Saal wehen lässt. So kann man ein konkretes und ob seiner Unsichtbarkeit doch abstraktes Thema greifbar machen. In der Ausstellung selbst gelingt das nicht immer.

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    Kerker ohne Wände: Der Schatten einer offenen Tür von Sasha Filipenko

    Sasha Filipenko exerziert weiter das russische Gemüt. Nachdem der Belarusse mit Die Jagd einen satirischen Thriller veröffentlichte, ist Der Schatten einer offenen Tür eine neue Genreübung. Der Roman ist eine Kriminalgeschichte, zwar weniger temporeich erzählt als Die Jagd, aber nicht ungleich unterhaltsamer oder erschreckender. Die Erzählung haftet sich an den Moskauer Kommissar Koslow, der im tristen Provinznest Ostrog eine Reihe Selbstmorde von Heimkindern untersuchen soll. Das Elend, so suggeriert es der Text, lässt sich besser aushalten, wenn man das Schöne gar nicht erst kennt.

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    Das gespaltene Land: Im Land der Wölfe von Elsa Koester

    Im Land der Wölfe von Elsa Koester nimmt den Leser mit ins ostsächsische Grenzlitz, ein fiktiver Ort, der möglicherweise für Görlitz steht, der schönen Filmkulisse, die durch die Neiße von Polen getrennt ist. Nana, Ich-Erzählerin des Romans, ist aus Berlin in die von den Nachwendejahren gezeichnete Stadt gekommen, um Katja von der Partei Zukunftsgrünen bei der Bürgermeisterwahl zu coachen und einen blauen Bürgermeister zu verhindern. Wie die Region, in die sie reist, wirkt auch sie gespalten. Ihre Reise nach Grenzlitz ist auch eine Flucht vor familiären Spannungen. Ihre Unterstützung für Katja könnte sie darüber hinaus gefährden, weil sie dem blauen Schergen Falk etwas zu nah kommt.