Absolut angenehme Schwingungen: Heat von Shinichi Atobe

Shinichi Atobe CoverNachdem das Produzenten-Duo Demdike Stare den öffentlichkeitsscheuen Japaner Shinichi Atobe 2014 dreizehn Jahre nach seiner ersten und bis dahin einzigen Veröffentlichung zu einer Renaissance verhalfen, gibt es jedes Jahr etwas Neues zu hören. Er scheint aus einem reichhaltigen Fundus an Ideen zu schöpfen. Heat erscheint ein Jahr nach From the Heart, It’s a Start, a Work of Art und ist das von Start bis Ende rundeste und durchweg tanzbarste Album seiner schon jetzt eindrucksvollen Diskografie.

Den Beginn macht das treffend benannte “So Good, So Right”, ein über neun Minuten langer House Track, der den Hörer angenehm in die durchweg helle, warme Soundlandschaft des Albums gleiten lässt. “So Good, So Right” besteht nur aus wenigen Elementen, erscheint bei beiläufigen Hören über seine Spieldauer fast unverändert. Weiche Synthies umschmiegen den Housebeat, nehmen den Hörer aus den Alltag in seine eigene Träumerei. Erstmal angekommen, sprenkelt Atobe weitere dezente melodische Elemente ein.

Die B Seite taucht in dubbige Gefilde. In “Heat 2” dominieren zunächst verschwommen hallende Synthies über einen warmen Bass. Nach und nach entwickelt sich der Song, hibbelige High-Hats und Drums mischen sich ein und simple, direkt aus den 90ern importierte Keys drängen sich melodieführend in den Vordergrund, sodass der sich anfangs gemütlich gebende Bass in blubbernde Aufregung gerät. Das darauf folgende “Heat 4” gibt sich so schwummrig als würde man einer After Hour aus einer im Meer versunkenen Stadt lauschen.

Auch auf der C-Seite fühlt man sich an exotische Orte versetzt, ein Eindruck, den das Cover der LP sicherlich auch mit prägt. In “Heat 3” schwirren helle Synthies über federnde Drums. Das überraschenderweise im Mittelteil des Albums platzierte “Bonus” gräbt sich mit beschwingten Ragtime-Piano in die Ohrmuscheln.

Shinichi Atobe TracklistSo unbeschwert und ausgelassen hat man den scheuen Produzenten noch nie gehört. Dennoch schließt der House-Sound nahtlos an die hellen Momente des im letzten Jahr erschienen From the Heart, It’s a Start, a Work of Art an. Nur spart Shinichi Atobe die experimentellen Momente vergangener Veröffentlichungen aus. Heat ist von der ersten bis zur letzten Sekunde ein geschmeidig aus den Boxen fließender, spätsommerlicher Nachmittag, der einen hypnotischen Sog ausübt, den man am besten in Bewegung erfährt. Absolut angenehme Schwingungen!

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Heat erscheint bei DDS und ist als Doppel Vinyl oder Download verfügbar.

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