DJ Kozes neueste Wundertüte: Knock Knock

dj koze knock knockKlopf-Klopf-Witze sind ja eher weniger originell. Das kann man dem Hamburger DJ Koze aber nie vorwerfen: Der Titel seiner neuen LP kann eher als Zeichen gedeutet werden, dass bierernste Gesten nicht so seine Sache sind und er es ohne Verbissenheit schafft, mit Erwartungen zu brechen: Immer ein bisschen verschmitzt, wirbelt DJ Koze mit einer kindlichen Verspieltheit House, Techno, Hip Hop und Pop durcheinander und hat sich so einen unverkennbar eigenen Sound geschaffen, der ihn als DJ inzwischen um den ganzen Globus führt und von internationalen Kritikern gefeiert wird.

Daran wird auch Knock Knock nichts ändern: Fünf Jahre nach dem umjubelten und von mir auch heute noch immer wieder gern gehörten Album Amygdala präsentiert er sechzehn neue Songs (auf der Vinyl-Version sind es 17 auf zwei 12” und einer 7”), die wieder randvoll mit Ideen gepackt sind, aus denen andere Produzenten wahrscheinlich drei verschiedenen Alben schustern würden. Dabei präsentiert er sich diesmal aber etwas gesetzter als vor fünf Jahren. Wer mit DJ Koze tanzen will, muss sich bis zum siebten Track “Illumination” gedulden. Der zusammen mit der Sängerin Róisín Murphy entstandene Song gibt sich mit fluffigen Gitarren-Licks ausgesprochen funky, hält das Tempo aber noch im mittleren Bereich. Nach Techno-Krachern wie “Marilyn Whirlwind” sucht man vergebens. Dafür kann man den auf “Illumination” folgenden French House “Pick up” wahrscheinlich schon jetzt zum Highlight jedes Sommer Open Airs küren. Im Gegensatz zu den anderen Tracks des Albums kommt DJ Koze hier mit wenigen Elementen aus: Über einen gewöhnlichen House-Beat legt er ein kurzes Gitarrensample, das man so schnell nicht mehr aus den Ohren bekommt sowie ein Vocal Sample von Gladys Knights Hit “Neither One of Us (Wants to be the First to Say Goodbye)”. Dieses Sample gibt der Wonne der Musik einen melancholischen Anstrich.

Nur wenigen Musikern gelingt es, verschiedene Emotionen in einem einzelnen Song so miteinander zu verweben. Dabei hilft natürlich auch der Humor, der DJ Koze und vielen seiner Gäste zu eigen ist. Dennoch wirkt Knock Knock etwas gesetzter als man es von ihm kennt. “Club der Ewigkeiten” öffnet den Reigen mit einem schleppenden, trip-hoppigen Bass, der dann von elegischen Streichern und erhabenen Chören erweitert wird. Es ist ein beinah meditativer Anfang, der den Hörer mit einer großen Wärme empfängt. Das darauf folgende “Bonfire” samplet dann mit Bon Iver den Chef-Melancholiker vom Dienst, heitert dessen immer etwas wehleidig klingenden Gesang aber mit flirrenden Effekten angenehm auf. Das erste Highlight folgt mit “Moving in a Liquid”, das mit Eddie Fummler eingespielt wurde. Der Song beginnt als effektgeladener Hip Hop, der zur Hälfte dann etwas Schwung aufnimmt und auf einer House-Party nicht fehl am Platze wäre.

Es sind eher gediegenere Tempi, mit den DJ Kotze auf Knock Knock spielt. Auf vielen Stücken präsentiert das einstige Fischmob-Mitglied mit Glitch-Effekten aufgefrischten 90er Jahre boom bap Hip Hop. Man muss schon taub sein, um bei der knackigen Kick-Drum von “Lord Knows” nicht energisch mit dem Kopf zu nicken. Auf dem R’n’B-Song “Scratch” gastiert erneut Róisín Murphy. An anderen Stellen verliert er etwas zu sehr an Tempo: Die schwummrigen “Muddy Funster” und “Baby” oder das misslungen piepsige „Jesus“ nehmen Knock Knock im zweiten Drittel des Albums leider etwas das Momentum, gerade als es richtig in Fahrt kommt. Die Sequenzierung der Vinyl-Version ist in dieser Hinsicht ausgesprochen unglücklich geraten. Zwar folgen Knaller wie „Illumination“ und „Pick up“ auf der Digital-Version aufeinander, bei der Vinyl-Ausgabe befinden sie sich aber auf verschiedenen Platten. Aufgenommenes Tempo verpufft so immer wieder.

dj koze knock knock back coverDoch das ist meckern auf ganz hohem Niveau. Auch wenn Knock Knock etwas Straffung gut gestanden hätte und mich die LP nicht ganz so überzeugt wie das Über-Album Amygdala – in erster Linie auch weil der typisch verschrobene DJ Koze Humor etwas zu kurz kommt – kann man sich kaum eine bessere Begleitung zum sommerlichen Dösen auf dem Balkon vorstellen. Spätestens bei der Coda “Drone Me up, Flashy” ist man ohnehin wieder verzaubert. Kozes Magie wirkt nach wie vor: Gastsängerin Sophia Kennedy erinnert hier etwas an Hildegard Knef und singt eine Hymne der Entschleunigung inmitten urbaner Geschäftigkeit: “Die besten Gedanken / entstehen doch dann / wenn sie verwachsen”. Auch 2018 hat DJ Koze mehr als genug davon.

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Knock Knock ist erhältlich als 3 LP Vinyl, Download und CD. Außerdem kann es über DJ Kozes Soundcloud Page kostenlos gestreamt werden. 

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